Personalarbeit – was ist das eigentlich?

Ach, was wird zur Zeit alles über Personalarbeit berichtet und geschrieben. Da vergraulen Personaler scheinbar Bewerber, da sind Personaler nicht in der Lage, die Digitalisierung zu unterstützen, da können Personaler nicht einmal Unternehmensstrukturen verändern. Doch ist das Bild des Personalers wirklich so schlecht?

ZiP quadrat 500x500 72dpiIch durfte in den letzten Tagen beim SAP Personalforum im Rahmen der Zukunftsinitiative Personal teilnehmen. Dabei hatte ich auch die Gelegenheit, mir den ein oder anderen Vortrag anzuhören. Und natürlich interessierte mich der Vortrag eines Geschäftsführers, der Personalarbeit ohne HR-Abteilung betreibt. Alles sehr spannend und sicherlich nachdenkenswert, wenn Teams ihre eigenen Gehälter festlegen und das Recruiting für Ihre Kollegen komplett selbst machen (von der Stellenbeschreibung über die Ausschreibung bis hin zu den Einstellungsgesprächen und Gehaltsverhandlungen. Aber die Aussage „und die Themen, die keiner machen will, also Arbeitsverträge schreiben oder Gehaltsabrechnung, die haben wir an einer zentralen Stelle zusammengefasst“ war bezeichnend – ist das nicht auch HR-Geschäft? Für ihn scheinbar nicht!

HSA_7406Szenenwechsel: Letzten Freitag moderierte ich im Rahmen der Zukunftsinitiative Personal bei der Veranstaltung „Management meets Students“ ein World-Cafe. Wir waren zu Gast beim HRCC der Hochschule Pforzheim und diskutierten mit 80 Studentinnen und Studenten aus dem Fachbereich Personal die „Arbeitswelt der Zukunft“. Neben den beiden Themen „Arbeitswelt“ und „Wertbeitrag HR“ ging es bei meinem World-Cafe um das Thema „Unternehmenskultur“. Dies war bereits die zweite Veranstaltung nach der Universität Saarbrücken vor einigen Wochen. Und wieder erlebten wir bei den Präsentationen vor allem zum Thema “Wertbeitrag-HR“ sehr stark diese „soften“ Themen, wie Recruiting, Personalmarketing oder Feelgood-Management. Bei den späteren Diskussionen wurde dann allen klar, dass andere Themen bei den Studenten sicherlich auch eine Rolle spielen und Ihnen bewusst ist, dass HR-Arbeit auch aus anderen Aufgaben besteht – nur sind scheinbar die „soften“ Themen wesentlich präsenter.

Szenenwechsel: Auch unsere Medien werden klar von Themen rund um Employer Branding, Personalmarketing etc. dominiert. Geben sie mal bei Google die Suchbegriffe Personalentwicklung und Personalprozesse ein: Das Verhältnis ist 3.090.000 zu 70.300 – welche Überraschung! Und auch wenn man regelmäßig die Fachzeitschriften, Buchveröffentlichungen etc. sieht, dann handeln gefühlte 80% der Artikel und Bücher von diesen Themen.

Blau_HR_BloggerSzenenwechsel: Ich habe vor einigen Monaten eine Web-Seite HR-Blogger.de gestartet, in der ich deutschsprachige HR-Blogs aufliste, Ebenso haben wir eine App dazu entwickelt, in der man HR-Blogs mobil lesen kann. Nun können Sie zwei maL raten, welche Themen hier im Vordergrund stehen!

Szenenwechsel: Jetzt geht ja wieder die Saison der Personalmessen los. Auch hier gibt es in den Hallen eine Trennung nach zum Beispiel Software, Dienstleistung und Recruiting, Personalentwicklung. Gehen Sie mal durch die Hallen und nehmen Sie bewusst die Stimmung dort auf. Während an den Ständen der Jobmessen kaum Platz zum atmen ist, muss man bei den Dienstleistern aufpassen, dass man nicht vor Einsamkeit stirbt. Und auch die Themen in den Foren handeln von „Recruiting out of the Box“ oder „Wertschätzung im Führungsalltag“ und haben Sie schon mal einen Keynote-Speaker erlebt, der sich mit Themen aus der Personaladministration beschäftigt hat?

Doch woran liegt das? Warum wird Personalarbeit so einseitig dargestellt? Sind Themen wie Personalabbau, Arbeitsrecht, Betriebsratsarbeit etc. so „schlimm“, dass man nicht darüber sprechen darf? Interessieren diese Themen niemanden? Nun, das wäre aus meiner Sicht absolut fatal, denn wenn diese Basis nicht funktioniert, kann dies für Unternehmen auch ein erhebliches Risiko bedeuten. Falsche Arbeitsverträge können viel Geld kosten, eine falsche und eine unregelmäßige Gehaltsabrechnung birgt einen Imageschaden für das Unternehmen in sich. Oder laufen gerade diese Themen in den Unternehmen bereits so professionell und fehlerfrei ab, dass man gar nicht mehr darüber sprechen muss?

Das glaube ich nicht, vor allem im Hinblick auf das Thema Digitalisierung. Die meisten, vor allem mittelständischen Unternehmen, leben immer noch sehr stark in „alten“ Prozessen – kompliziert, papierbehaftet, wenig IT-gestützt. Dabei ist es wichtig, erst einmal die „Pflicht“ sauber zu erledigen, eine excellente, fehlerfreie und effiziente Dienstleistung abzuliefern und sich dann um die „Kür“  zu kümmern. Denn nur wenn das stimmt, kann sich Personal auch selbstbewusst aufstellen und andere Themenbereiche einfordern. Oder was glauben Sie, warum HR so einseitig dargestellt wird?

Dieser Artikel ist auch ein Beitrag zur Blogparade vom Human Resources Manager #ZukunftHR. Weitere Beiträge:


Die oben beschriebene App gibt es zum kostenfreien download für IOS und Android:

Get it on Google Play
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Und wer seinen Blog in der App noch vermisst und aufgenommen werden will, soll sich einfach hier anmelden oder mir eine mail schreiben.

6 Gedanken zu “Personalarbeit – was ist das eigentlich?

  1. Ja Herr Eggert, stimme zu, die Modethemen verlaufen im Sand. Professionelle Administration ist sicherlich in KMU angesagt. Aber auch in den großen Unternehmen. Diskutieren wir die Zukunftsfrage: Brauch es noch eine Personalabteilung, wenn die Administration top automatisiert ist? Ich bin davon überzeugt, dass die klassische Personalabteilung im Jahr 2020 Schnee von gestern ist.

    • Hallo Herr Gardyan,

      nun, dass es Veränderungen geben wird und auch geben muss ist unbestritten. Nur eine reine Automatisierung wird nicht reichen, denn auch wenn die Administration nach allen technischen Möglichkeiten ausgereizt ist, bedarf es doch noch Personaler, die mit Fach-KnowHow und (hoffentlich) ohne Eigeninteresse die Grundsätze festlegen. Sei es durch die Gestaltung von Arbeitsverträgen, den Abschluss von Betriebsvereinbarungen etc.

      Wenn ich mir auch den derzeitigen Stand der Digitalisierung in Personalabteilungen anschaue – und das ist aus meiner Sicht die Basis für eine effiziente Abwicklung – dann wird das noch länger als bis 2020 dauern. Gerade im Mittelstand erlebe ich einen extreme Widerstand gegenüber diesen Themen. Wobei dieser Widerstand in mehreren Themen begründet ist. Teilweise liegt es am Misstrauen gegenüber technischen Lösungen, teilweise wird aber lieber Geld in Führungsseminare mit Pferden oder Adlern investiert anstatt in vernünftige IT-Lösungen …

      Viele Grüße

      Thomas Eggert

  2. Hallo Herr Eggert,

    ich bin Redakteurin beim Human Resources Manager. Schön, dass Sie bei unserer Blogparade mitmachen und dabei den Blick auf Pflicht und Kür der Personalarbeit lenken.

    Beste Grüße
    Kathrin Justen

  3. Pingback: Was hat digitale Transformation mit HR zu tun? #ZukunftHR › comspace-Blog

  4. Pingback: Personalgewinnung und Jobsuche: Was die Digitalisierung damit zu tun hat › LVQ. Karriere-Blog

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