Veranstaltungen

Basketball vs Hochschule – ein unfaires Spiel?

In der Personalszene könnte man täglich auf zwei Veranstaltungen gehen, vor allem, wenn es um die Themen New Work oder Veränderung geht. Immer wieder frage ich mich dabei, wann manche dieser Veranstaltungsnomaden eigentlich etwas arbeiten. Gerade auf Referentenseite findet man zu bestimmten Themen immer wieder die gleichen Referenten oder Berater, die in fast schon despotenhafter Manier immer wieder Horrorszenarien aufbauen aber meistens den Zuhörer damit stehen lassen oder danach teure Beratungsmandate verkaufen wollen. Selbst bei den Messen steht mittlerweile das Vortragsthema im Vordergrund und die Ausstellung selbst verliert immer mehr an Bedeutung. Da hetzten die Besucher mehr von Keynote über Barcamp zu Panel Diskussionen anstatt von Aussteller zu Aussteller.

Ich selbst gehe mittlerweile auf sehr wenig Veranstaltungen, vielen bin ich einfach überdrüssig geworden. Aber in den letzten beiden Wochen habe ich mir mal wieder zwei zu Gemüte geführt – HR Trends der Zukunft – Business meets Science des Instituts für Personalforschung an der Hochschule Pforzheim und die imPULS Keynote „Umdenken“ vom FC Bayern Basketball.

Ich hatte schon einmal hier auf meinem Blog in dem Beitrag „Basketball und HR – der FC Bayern schafft die Verbindung“ über das neue „Produkt“ imPULS des FC Bayern Basketball geschrieben – und das hatte mich dann so interessiert, dass ich auch selbst daran teilnehme. Und um es gleich von vornherein zu sagen – nein, das ist keine bezahlte Werbung, ich wurde nicht vom FC Bayern Basketball eingeladen, sondern bin ein normaler zahlender Teilnehmer. Ich fand aber damals die Auswahl der Themen interessant – von „Talentsuche“ über „Erfolgsgeschichten“ bis hin zu „München: imPULS der Zeit“. Und mich haben die Titel angesprochen – endlich mal weg vom Buzzword Bingo und Themen in verständlichen Überschriften – das gibt es wirklich noch. So startete die Keynote-Reihe mit dem Thema „Umdenken“ in einer Lokation, die ihresgleichen sucht. Selbst mir als Münchner war das LOVELACE als PopUp Hotel noch völlig unbekannt – schade, dass es Ende des Jahres wieder schließt. Schon bei der Begrüßung war klar, das findet in einer sehr professionellen aber auch extrem lockeren Stimmung statt – eine sehr angenehme Runde!

In das Thema „Umdenken – Die Macht der Marke: Wann ist Umdenken angesagt? Strategien hinter starken Marken.“ hat dann Markus Essing, Vorsitzender der Geschäftsführung der Philip Morris GmbH mit einem Impulsvortrag („Disruption: Light your last Marlboro“) eingeführt. Sehr authentisch hat er darüber berichtet, wie sich ein Weltkonzern mit 82.000 Mitarbeitern neu ausrichtet und sein gesamtes Geschäftsmodell umstellt. Teinehmer, die zum Buzzword Bingo gekommen sind, hatten leider Pech. Endlich mal ein Vortrag, der ohne Anglizismen auskommt aber nachvollziehbar und spannend ist. So kann man auch mal einen Vortrag halten. Die anschließende Diskussionsrunde war sehr angeregt und hinterher gab es genug Zeit zum networking – äh nein – zum netzwerken. Einen kleinen Bericht mit Video findet man auch auf der Webseite des FCBB. Ich bin auf jeden Fall schon auf das nächste Thema im Januar gespannt : „Erfolgsgeschichten – vom Start-Up zum Marktführer: Einblicke in die Unternehmensgeheimnisse namhafter Firmen“.

 

 

Schon Tradition und sicherlich mit einen anderen Ansatz hat die Hochschule Pforzheim zum 13. „HR-Trends der Zukunft – Business meets Science“ eingeladen. Ich durfte ja bereits vor vielen Jahren das Institut für Personalforschung und diese Veranstaltung zusammen mit Prof. Dr. Stephan Fischer ins Leben rufen und noch immer werden spannende Themen aus der aktuellen HR-Forschung diskutiert und sowohl aus praktischer als auch wissenschaftlicher Sicht beleuchtet. Heute ging es um das Trendthema „Arbeit 4.0 – New Work: Was ist das und was bedeutet es für Unternehmen?“. Und hier hat Prof. Dr. Stephan Fischer (Institut für Personalforschung, Hochschule Pforzheim) die wissenschaftliche Seite beleuchtet und Tanja Friederichs (Vice President Human Resources, PULS GmbH) von der Firma PULS GmbH die praktische Umsetzung beschrieben.

Beide Vorträge haben zumindest optisch jedes Vorurteil erfüllt. Die Folien der Hochschule waren sehr nüchtern, inhaltlich und ohne großen Schnickschnack, ganz anders die professionell gestalteten, mit Bildern sprechenden Folien der Unternehmensvertreterin. Das war aber nur das Mittel zum Zweck und es hat sehr schön bewiesen, dass es eigentlich gar nicht darauf ankommt. Viel wichtiger war eine wirklich kurzweilige und sehr informative Betrachtung des Themas aus wissenschaftlicher Sicht und eine sehr emotionale und vom ihrem Unternehmen begeisterte Personalleiterin, die damit auch die Zuhörer mitgenommen hat. Die Firma PULS hat hier wirklich etwas einmaliges geschaffen – auch hierüber durfte ich bereits in meinem Beitrag  Arbeiten 4.0 im Mittelstand – so gehts bei PULS, dem Gewinner der HR Excellence Awards berichten.

Leider konnte den nachmittag mit dem Thema „Arbeitsrecht 4.0“ mit einem Vortrag von Prof. Dr. jur. Rupert Felder (Senior Vice President Global HR, Heidelberger Druckmaschinen AG) und den Workshop am nachmittag mit Sven Franke (Geschäftsführender Gesellschafter, CO:X UG) und Britta Redmann (Syndikusrechtsanwältin & Director Corporate Development & HR, VEDA GmbH, Autorin von ‚Agiles Arbeiten im Unternehmen- rechtliche Rahmenbedingungen + gesetzliche Anforderungen) nicht mehr mitmachen, habe aber auch hiervon nur positives gehört.

Mein Fazit zu den beiden Veranstaltungen ist klar – es ist kein Basketball vs Hochschule sondern beides hat seine absolute Berechtigung. Und am Ende ist es egal, ob es der Hörsaal-Charme einer Hochschule ist oder ein hippes PopUp Hotel – auf den Inhalt und die Referenten kommt es an und das haben beide bewiesen. Ich werde auf jeden Fall beiden Veranstaltungen treu bleiben.

Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert. Weiterhin beschäftige ich mich mit der Effizienz in modernen Personalabteilungen.

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