Was ist am Verwalten so schlimm?

Nur ein abgedroschener Slogan oder doch was Wahres dran? Viele Trends und Hypes kamen schnell und sind auch genauso schnell wieder verschwunden, manche halten sich aber doch sehr hartnäckig. Bereits in den 90er Jahren lautete das Motto des damals modernen Personalers „Vom Verwalter zum Gestalter“ und genau das hat sich bis heute als Buzzword gefestigt. Toll waren oder sind nur noch die Personaler, die gestalten, das Unternehmen entwickeln und überall mitmischen (egal ob sinnvoll oder nicht) und verflucht wurde und wird derjenige, der sich nur um die Verwaltung kümmert und sich als Dienstleister um eine rechtskonforme Abwicklung des Personalgeschäfts bemüht.

Quelle: HRM Expo Blog

Quelle: HRM Expo Blog

Auf der letzten Messe „Zukunft Personal“ wurde sie sogar zu Schau gestellt. Es gab zwei Eingangstüren, über einer stand „HR Gestalter“ über der anderen „HR Verwalter“ – und wehe, es traute sich ein Personaler durch die Tür des Verwalters.

Und wenn wir schon bei der Messe sind – auch die zeigt dieses Bild sehr klar. Die Messe ist immer in verschiedenen Hallen mit unterschiedlichen Schwerpunkten vertreten und wenn man drei Tage vor Ort ist, zeigt sich eine klare Tendenz. Die Hallen mit den Softwareanbietern oder Outsourcern sind zwar immer ganz gut besucht, ganz anders aber die Hallen mit den Themen Recruiting oder Beratung. Da kann man manchmal vor lauter Menschen kaum an den riesigen Ständen der Jobbörsen vorbeilaufen und die Standvorträge zu Themen wie Führen mit Pferden (oder auch Adlern) bieten nur noch Stehplätze.

Ich glaube, dieses Bild zeigt auch das grundsätzliche Dilemma, mit dem sich Personaler auseinander setzen müssen. Sie müssen genau diesen Spagat machen – zwischen einer, ich nenne es mal staubtrockenen Verwaltung, die von unzähligen Gesetzen und Vorschriften geprägt ist und der Gestaltung  von Personalentwicklungsmaßnahmen, der Entwicklung neuer Recruitingtools bis hin zum Verkäufer des Unternehmens bei Bewerbern. Ich kenne keinen Bereich im Unternehmen, der in so einem extremen Zwiespalt leben muss.

Viele alteingesessene Personaler bzw. Personalabteilungen kommen aber genau aus diesem Verwaltungsansatz und haben die Wandlung zum Gestalter noch gar nicht richtig hinter sich gebracht und jetzt kommt auch noch diese Digitalisierung dazu, die nun auch noch ein gewisses IT-Verständnis verlangt. Umso mehr wird die Verwaltung nun mit Füssen getreten, das gehört alles abgeschafft oder outgesourct und ist sowieso viel zu teuer. Warum passiert das? Ist nicht genau die professionelle Abwicklung der administrativen Themen auch ein Erfolgsfaktor für Unternehmen und trägt zur Hygiene im Unternehmen bei? Fühlen sich die Mitarbeiter nicht auch wohl, wenn sie wissen, sie können sich auf ihre Gehaltsabrechnung verlassen, sie kommt pünktlich und genau und Anfragen werden schnell und kompetent beantwortet. Sollten wir hier nicht auch einmal klarmachen, wieviel möglicher Schaden von einem Unternehmen abgewendet werden kann durch gute Arbeitsverträge, abgesicherte Disziplinarmaßnahmen, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat – um nur einige zu nennen. Das sind alles Themen, die Personalabteilungen still und ohne große Show abwickeln und die damit auch dazu beitragen, dass ein Unternehmen überhaupt bestehen kann.

Vielleicht muss man sich aber auch mehr Gedanken machen, ob wir hier nicht andere Strukturen benötigen. Bei vielen amerikanischen Unternehmen hängt zum Beispiel die Gehaltsabrechnung beim Finanzbereich, das ist bei uns eher unüblich, bei uns führt das in der Regel der Personalleiter. Und schon ist er in der Zwickmühle, dass er Verwalter und Gestalter sein muss und dabei sind für die beiden Themen völlig unterschiedliche Charaktere notwendig. Der genaue und fachlich versierte Verwalter und der innovative und treibende Gestalter – geht das überhaupt?

Doch egal wie, ich bin nach wie vor der Meinung, dass die ganze Bandbreite an Aufgaben und vor allem die administrativen Themen viel mehr gewürdigt werden müssen – dann kann der Personaler auch wieder aufrecht durch die Tür des Verwalters gehen und sich in aller Ruhe neue Software oder Dienstleistungen auf der Messe anschauen.

Ein Gedanke zu „Was ist am Verwalten so schlimm?

  1. Wenn die Gehaltsabrechnung in einem Unternehmen nicht gewertschätzt wird, finde ich es nicht schlimm, wenn die Gehaltsabrechnung outgesourct wird. Es wird ja auch schwieriger, Lohnbuchhalter zu finden. Wahrscheinlich auch deshalb, weil gestalten kreativer ist und weniger nervt.

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