“Die Sterne stehen gut” – Interview mit Christoph Kull von Workday, Teil 2

industrie 4.0 - usine du futur - 2015_10 - 004Im ersten Teil der Serie „HR aus der Cloud“ hat mir Christoph Kull, Regional Vice President DACH von Workday, den Anbieter von benutzerfreundlichen Enterprise-Cloud-Anwendungen für das Finanz- und Personalwesen vorgestellt und die Chancen auf dem deutschen Markt sowie neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung für HR-Manager erläutert – darunter der nachweisbare Beitrag zum Unternehmenserfolg. Im zweiten Teil habe ich ihn zu den Themen Best-of-Breed, altmodischen Personalern und der Zukunft der nativen Cloud-Lösungen befragt.

Thomas Eggert: Derzeit entsteht hier in Deutschland eine Vielzahl an StartUp-Unternehmen, die für jedes Thema eine eigene, oft Cloud-basierte Lösung anbieten. Wie sehen Sie den daraus entstehenden Best-of-Breed-Ansatz oder werden diese StartUps nicht erfolgreich sein?

Christoph Kull: Wir gehen davon aus, dass sich eine Handvoll führende Cloud-Anbieter für die wesentlichen Unternehmensbereiche wie HR und Finance, CRM, Collaboration, IT sowie branchenspezifische Kernprozesse herauskristallisieren werden. Deren Lösungen werden über die IT-Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens zusammengeführt, um die Daten bestmöglich zum Erkenntnisgewinn zu nutzen. Je kleinteiliger hingegen der Best-of-Breed Ansatz für Cloud-Lösungen, desto schwieriger die Datensynchronisation und die Kundenerfahrung beim Einsatz und desto zerrissener werden Prozesse und bereichsübergreifendes Reporting. Workday setzt daher auf ein einziges, international anwendbares Datenmodell für HR und Finance, kombiniert mit einem Sicherheitskonzept und einer einheitlichen Anwendererfahrung. Wir sind zwar noch ein relativ junges Unternehmen, aber wir leben seit Anbeginn eine höchst innovative und flexible Kultur. Ich kann nicht für andere Unternehmen sprechen, doch entscheidend wird wohl sein, ob Unternehmen ein langfristiges Geschäftsmodell schaffen und dabei wirtschaftlich sind, wozu ein ausreichend großer Kundenstamm aufgebaut werden muss.

Thomas Eggert: Personaler gelten als nicht sehr innovativ und eher technikfeindlich, vor allem wenn es um den Einsatz neuer Technologien und die Cloud-Lösungen geht. Wie haben Sie dieses Vorurteil bisher erlebt bzw. wie wollen Sie ihm entgegenwirken?

Christoph Kull: HR-Verantwortliche sind nicht per se technikfeindlich. Sie verlassen sich allerdings noch (zu) oft auf ihr Bauchgefühl und müssen erst von den Chancen der Digitalisierung und dem Mehrwert von Cloud-Lösungen überzeugt werden: Daten können Entscheidungsfindungen nachvollziehbar und effektiv machen – für diese Vorteile fehlt manchmal noch das Bewusstsein. Durch die Digitalisierung aller Lebensbereiche haben Mitarbeiter heute größere Erwartungen an Unternehmenssoftware. Sie setzen privat neue Technologien ganz selbstverständlich ein – und erwarten auch im Beruf eine ähnlich intuitive Anwendererfahrung. Die Wahrnehmung des Arbeitgebers hängt deshalb heutzutage entscheidend von der Ausgestaltung interner Informationsplattformen und Systeme ab. Personalverantwortliche wollen ihre „internen Kunden“, also Managern und Mitarbeitern, eine Nutzererfahrung bieten, die sie in vielerlei Hinsicht effizienter macht. Wir sehen HR-Profis insofern als eine treibende Kraft, wenn es darum geht, die digitale Mitarbeitererfahrung zu modernisieren.

Thomas Eggert: Was waren die größten Schwierigkeiten am Anfang und wie haben Sie diese gelöst?

Christoph Kull: Der deutsche Markt ist ein anspruchsvoller Markt, die Adaption neuer Technologien erfolgt oft verzögert. Das liegt auch am ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis der Deutschen. Datenschutz ist hierzulande ein so zentrales Thema wie in kaum einem anderen Land der Welt – gerade auch im Hinblick auf Cloud-Anwendungen und -Services. Wir müssen also zeigen, dass wir die Bedürfnisse und Bedenken unserer Kunden und potenzieller Kunden sehr ernst nehmen und das Thema proaktiv angehen. So haben wir uns nach den ISO-Normen 27001 und 27018 zertifizieren lassen und darüber hinaus Audits wie SOC-1, SOC-2 und SOC-3 erfolgreich durchlaufen. In Deutschland gibt es außerdem spezifische rechtliche Anforderungen an eine Lösung: Neben der Datensicherheit zählen Privatsphäre, Überstundenregelungen, Tarif- und Betriebsvereinbarungen, Urlaubspläne und relevante Aspekte für deutsche Betriebsräte dazu. Workday erfüllt die Anforderungen des europäischen und deutschen Datenschutzrechts und kommt auch weitergehenden Wünschen der Kunden nach. Abgesehen von den regulatorischen Besonderheiten dominiert derzeit noch SAP den deutschen Markt. Aber dank unseres nativen, einheitlichen Cloud-Ansatzes und unserer langjährigen Expertise werden wir letztlich im Vorteil sein.

Thomas Eggert: Lassen Sie uns zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft werfen – in zwei Jahren sind Sie mit Workday …

Christoph Kull: … als etablierter Anbieter von HR- und Finance-Lösungen in Deutschland und international weiter auf Expansionskurs. Die Sterne stehen gut, und das ist mehr als der Blick in die Glaskugel, denn wir sind in Verhandlungen mit großen, namenhaften Unternehmen.

Vielen Dank für das Interview!

Über Christoph Kull

160224 Christoph KullChristoph Kull ist bei Workday der Regional Vice President für die Region DACH und leitet damit ganzheitlich die Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er berichtet an den EMEA President, Chano Fernandez.

Christoph Kull kann auf über 15 Jahre Erfahrung in der Software Branche zurückblicken. Vor seiner Position bei Workday war er acht Jahre bei SAP als Vice President Database & Technology DACH und in verschiedenen anderen Führungsrollen im Vertrieb tätig. Davor gründete und leitete Christoph Kull eine Management Beratungsfirma (alsus), nachdem er mehrere Jahre als Senior Projektmanager bei SAP Consulting arbeitete.

Christoph Kull verfügt über einen MBA in International Consulting von der Graduate Business School in Pforzheim sowie einen Universitätsabschluss in Wirtschaftsinformatik der University of Washington in Seattle.

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Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

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