7 Fragen – das Update mit Anna Kaiser und Jana Tepe von Tandemploy

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Vor drei Jahren habe ich unter dem Titel „7 Fragen an…“ eine Interviewreihe mit unterschiedlichsten StartUp’s gestartet, diesem Beispiel sind ja mittlerweile einige Blogger-Kollegen gefolgt. Jetzt ist es an der Zeit mal nachzufragen, wie es den StartUp’s in der Zwischenzeit ergangen ist und was es nach einigen Monaten Neues gibt. Den Start macht Tandemploy, die sich im Dezember 2015 meinen 7 Fragen gestellt haben. Jetzt das Update:

Mittlerweile 2 1/2 Jahre ist es her, seit wir das Interview geführt haben. Es freut mich, dass wir uns nun nochmal über euer StartUp unterhalten können. Doch als erstes: Wie geht es euch und eurem StartUp?

Anna: Uns geht es sehr gut, wir hatten bisher ein ziemlich ereignisreiches Jahr – und von „Sommerpause“ noch keine Spur :-), eher im Gegenteil: Unsere Kunden scheinen gerade endlich Zeit für strategische, grundlegende Themen zu haben. Das freut uns natürlich.

Hat sich in den ursprünglichen Zielen etwas verändert?

Jana: Tatsächlich hat sich vor allem in den letzten 2 Jahren sehr viel bei Tandemploy verändert. Gestartet sind wir ja ursprünglich einmal mit unserer Jobsharing-Plattform (für aktuell Job- und Tandempartnersuchende), die es auch immer noch gibt.

Mittlerweile entwickeln und vertreiben wir aber vor allem Software as a Service (SaaS) für mittel- bis ganz große Unternehmen, die ihre internen Arbeitsmodelle und Strukturen flexibilisieren und ins digitale Zeitalter bringen wollen. Das geht weit über Jobsharing hinaus, denn unsere Software verbindet Kolleginnen und Kollegen für „neue Arbeitsformen“ aller Art: für Projekte, Peer Learning, Job Swappings oder Hospitationen, für Mentoring-Konstellationen, Working Circles – und natürlich auch noch immer fürs Jobsharing. Die Software wird von den Mitarbeitern selber getrieben, d.h. sie finden hier entsprechend ihrer Lebensphase und Bedürfnisse Kollegen, mit denen sie gemeinsam zur Tat schreiten können. Mit Lösungsvorschlägen statt Problemen auf HR und Führungskräfte zugehen – dazu befähigen wir die Belegschaft und schaffen so einen Raum und Rahmen für echte, gemeinsame Veränderung. Damit wir nicht immer nur über die „Zukunft der Arbeit“ reden, sondern sie tatsächlich gestalten und vor allem einfach mal damit anfangen!

Wie erlebst ihr derzeit den Markt? Gibt es neue Herausforderungen, die ihr erlebst?

Anna: Es kommt gerade unglaublich viel in Bewegung, der Handlungsdruck bei Unternehmen wird deutlich spürbar. Sie stoßen mit ihren klassischen, meist noch sehr hierarchisch geprägten Silo-Strukturen an ihre Grenzen und merken: Wenn wir im digitalen Zeitalter mitspielen wollen, brauchen wir andere Arbeitsweisen und Strukturen!  So können wir unmöglich innovativ, kreativ und handlungsfähig bleiben.

Jana: Daher kommen unsere Kunden auch insbesondere aus Branchen und Bereichen, die sich gerade stark im Umbruch befinden. Wir arbeiten mit vielen DAX-Konzernen zusammen, aber auch mit großen Mittelständlern, deren Geschäftsmodelle sich durch die Digitalisierung stark verändern, mit Banken und Versicherungen, mit der Automobilindustrie, Chemie & Pharma, der Touristikbranche zum Beispiel. All unsere Kunden haben gemeinsam, dass ihnen der Wissenstransfer innerhalb der Firma immer schwerer fällt, interne Vernetzung ist ein großes (und mit Top-Down-Change-Prozessen kaum zu bewältigendes!) Thema. Sie suchen explizit nach Lösungen, um aus den eigenen Reihen heraus, mit den Mitarbeitern gemeinsam, einen Wandel hin zu einer offeneren Organisation zu gestalten.

 

Wir haben uns im ersten Interview über die angebliche Technikfeindlichkeit der Personaler unterhalten. Gibt es hier in der letzten Zeit Veränderungen?

Anna: Ja, das merke ich schon!  Zwar gibt es immer noch Unternehmen, die bei Cloud-Lösungen erst einmal zusammenzucken. Es werden aber deutlich weniger. Die Firmen merken natürlich, dass sie mit ihren bisherigen, oft tatsächlich noch sehr händischen an die Grenzen stoßen. Ich kenne DAX-Konzerne, die ihre Mentoring Programme immer noch in Excel-Tabellen organisieren: Eine Spalte für die Mentoren, eine für die Mentees. Das ist wenig skalierbar, sehr aufwendig und oft profitieren am Ende nur sehr wenige Kolleginnen und Kollegen von dem Angebot! Das ist schade, und zur heutigen Zeit auch einfach nicht mehr ausreichend. New Work Konzepte – und davon haben fast alle Unternehmen ja sehr tolle! – bleiben eben viel zu oft Konzepte und schlummern in Schubladen vor sich hin, weil die Umsetzung und Koordination zu kompliziert ist. Da können digitale Tools natürlich ungemein helfen.

Die Digitalisierung ist in aller Munde und mit eurem StartUp tragt ihr ja auch einen gewissen Teil dazu bei. Wie hat sich die Digitalisierung in der letzten Zeit auf euer Business-Modell ausgewirkt?

Jana: Unsere Lösungen waren von Beginn an digital, d.h. wir haben die Digitalisierung dafür genutzt, Herausforderungen in Unternehmen cleverer und gezielter anzugehen  und – ja! – ein stückweit auch demokratischer anzugehen. Unsere SaaS wird zum Beispiel Bottom-up, d.h. von den Mitarbeitern selber gesteuert, die Digitalisierung macht’s möglich und entlastet damit gleichzeitig HR und Management. Denn warum sollen nur die sich für neue Arbeitsweisen und mehr Flexibilität einsetzen? Am Ende bedeutet das Teamwork, Kompromisse – und vor allem einen gemeinsamen Weg! Übrigens auch mit White und Blue Collar Mitarbeitern.

Und zum Schluss wieder die Frage – wohin geht es mit deinem StartUp in den nächsten Jahren, was sind eure Ziele?

Anna: Für uns ist die Tandemploy Software mehr als ein technisches  Tool. Wir leisten tagtäglich unseren Beitrag dazu, dass in Organisationen (gemeinsame) Veränderung tatsächlich passiert. Deshalb begleiten wir zum Beispiel auch all unsere Kunden bei der internen Vermarktung und dem Stakeholdermanagement innerhalb des Unternehmens.

Jana: Und da grundlegende Veränderungen immer auch Zeit brauchen, wird uns die Arbeit in den nächsten Jahren sicher nicht ausgehen :-). Wir freuen uns schon sehr darauf, mit noch mehr Unternehmen den Weg in Richtung einer anderen, kollaborativeren, flexibleren (Zusammen)Arbeit zu gehen. Und dafür braucht es zu Beginn gar nicht so viel: offenes Denken und den Mut, einfach mal anzufangen! Der Rest wird sich entwickeln und das ist ja auch das Schöne an dieser komplexen Zeit, in der wir leben: Wenn wir auch in Organisationen vernetzter arbeiten (und dafür haben wir gerade alle Chancen!) können wir unglaublich viel schaffen und bewegen.

 

Vielen Dank an Anna und Jana für das erneute Interview und weiterhin viel Erfolg!

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Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

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