Wie Unternehmen die Talente der jungen Generation für sich gewinnen

Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Doch leider fehlt es in vielen analogen Unternehmen an jungen, digitalen Talenten, weil diese dort nicht arbeiten wollen. Zunächst muss man deshalb verstehen, wie die Generation der Millennials tickt. Alex T. Steffen, Jahrgang 1990 und Mitautor des Buches „Fit für die Next Economy“ beschreibt in diesem Beitrag wesentliche Aspekte.

Wer eine bewegliche Unternehmenskultur schafft, der kann talentierte Millennials für sich begeistern. Dort, wo stattdessen verkrustete Hierarchiestrukturen bestehen, wird riskiert, dass die besten jungen Mitarbeiter uninteressiert sind. Denn sie sind nicht mehr darauf angewiesen, sich auf eine vorgegebene Arbeitsweise einzulassen. Entweder, wir suchen uns einen Arbeitgeber, der unseren Vorstellungen gerecht wird, oder wir wechseln zu denjenigen, die unsere Werte teilen: Millennial-Unternehmer.

Damit bleibt die Old Economy dann ganz außen vor. So umgehen wir immer öfter die alten Strukturen und praktizieren Offenheit, Vertrauen und Kollaboration einfach untereinander, auch über Ländergrenzen hinweg. Mit anderen Millennials ein Projekt anzupacken, das geht bei uns schnell. Zwar scheitern – genauso wie in der Old Economy – viele Geschäftsideen. Doch für uns ist das noch lange kein Argument, veraltete Führungsstile und überflüssige Bürokratie hinzunehmen.

 

Millennials brauchen das richtige Arbeitsumfeld

Millennials mögen weder strenge Kontrollstrukturen noch abschreckende Handlungsmuster, wenn diese eher eine Blockade als eine Absicherung sind. Geht es um Formalitäten, wünschen wir uns diese ganz schlank. Verträge sind willkommen, denn sie sichern geistiges Eigentum. Aber in der Konzeptphase können rigide Vorschriften und ausartende Formalismen zu unnötigen Ineffizienzen führen und so den zügigen Fortschritt behindern.

In stark regulierten Branchen ist strikte Compliance sicher ein Muss. Compliance erfordert eine genaue Umsetzung von geltendem Recht, von Verträgen und ethischen Standards. Doch wer in der digitalen Welt bestehen will, muss Agilität zu seinem Hauptthema machen. Dazu wird Schnelligkeit, Offenheit und Vertrauen gebraucht, damit es vorangeht. Wettbewerbsvorteile entstehen nur so.

Millennials gehen mit einer optimistischen Einstellung an Teamarbeit, Gemeinschaftsprojekte und Kooperationen heran. Misstrauen empfinden wir als Bremsklotz, der uns am Erfolg hindert. Natürlich ist Skepsis als Handlungsmuster eine Möglichkeit, sich abzusichern. Diese Skepsis gegenüber vielem, was wir tun, spüren wir sehr. Doch Skepsis und Misstrauen dürfen nicht zum Stillstand führen.

Share Economy: Teilen ist das neue Haben

Klassische Unternehmen sind geschlossene Systeme, in denen jeder sein Wissen hortet. Wir Vertreter der jungen Generation hingegen, in der Sharing-Economy groß geworden, haben längst verstanden, wie arm man bleibt, wenn man alles für sich behält, und wie reich man wird, wenn man teilt. Konkurrenz hat für uns einen geringen Stellenwert.

Vielmehr sind wir offen für alles und jeden. Co-kreativ nutzen wir die „Weisheit der Vielen“ und integrieren jede hilfreiche Idee, ganz egal, von welcher Seite sie kommt. Die Wertschätzung jeder Person und ihrer individuellen Stärken ersetzt in unserer Arbeitswelt die alte Sicht auf Mitarbeiter als austauschbare Ressourcen.

Das Teilen von Wissen, um sowohl die Entwicklung der Company als auch die Entwicklung jedes einzelnen Teammitgliedes zu fördern, ist für uns essenziell. Wir wünschen uns einen Austausch auf Augenhöhe, basierend auf Respekt und Vertrauen. Nur so macht uns Arbeit langfristig Spaß. Eine Führungskraft, die dafür sorgt, dass der Geführte sich wie ein Partner fühlt, hat bei uns gute Karten.

Freigeist und Flexibilität anstatt Fesseln

Wir Millennials haben den Eindruck, dass die Generationen vor uns stärker nach Status und Sicherheit streben. Dafür sind sie bereit, enorme Kompromisse einzugehen, besonders im beruflichen Umfeld. Sie nehmen ungesunden Stress und eine ziemliche Bevormundung durch den Arbeitgeber hin. Die vermeintliche Sicherheit, die einem der Arbeitgeber bieten kann, schlägt wohl den Drang nach Freiheit und Autonomie.

Ein geregeltes Einkommen, das vielleicht einen gehobenen Lebensstil ermöglicht, macht einen zugleich abhängig von seinem Chef. Je mehr Vermögenswerte man angehäuft hat, desto weniger Verhandlungsmacht bleibt. Und desto mehr Kompromisse muss man machen. Wir Millennials sind weniger statusorientiert und deshalb flexibler und gleichzeitig in jeder Hinsicht agiler. Unsere Generation bewertet Flexibilität höher als Sicherheit. Wir reisen lieber mit leichtem Gepäck.

Die offensichtlichen Fehler der Vergangenheit wollen wir vermeiden. Der Lebens- und Arbeitsstil in Abhängigkeit hat uns zu einer kranken Gesellschaft gemacht. Arbeitsbezogener Dauerdruck schadet der Psyche und führt in den Burnout. Ist das die vermeintliche Sicherheit wert? Natürlich wünschen sich viele junge Leute eine notwendige Sicherheit. Unsere Generation wünscht sich aber auch Unsicherheit. Denn zu viel Sicherheit macht das Leben langweilig.

Mit Tempo fit für die Zukunft

Einem Großteil der Generation Y ist Mobilität überaus wichtig. Ohne Haus und fettes eigenes Auto kann man sich die dann auch leisten. Minimalismus schafft Wahlmöglichkeiten in Bezug auf die Produkte, die wir konsumieren, die Arbeit, der wir nachgehen und unseren Zeitvertreib. Unsere Generation hat sich von vorgegebenen Identitäten längst distanziert.

Wir wünschen uns von einem Arbeitgeber weniger starre Vorgaben und mehr Spielraum. Wir lassen uns schwer in eine Arbeitskultur zwängen, in der Machtspiele mehr Wert haben als Ethik. Wir wollen keine Arbeitszeitvorgaben von anno dazumal, keine langen Hierarchiewege und keinen Dienst nach Vorschrift. Wir wünschen uns eine Team-Kultur, in der wir selbstorganisiert unsere Leistung einbringen können.

Anstatt also über uns junge Leute zu schimpfen, uns in veraltete Strukturen pressen zu wollen oder Generationenkonflikte heraufzubeschwören, sollte die Wirtschaft die Talente ambitionierter Millennials viel besser nutzen, um sich mit Tempo fit für die Zukunft zu machen.

Das Buch zum Thema

 

Anne M. Schüller, Alex T. Steffen
Fit für die Next Economy
Zukunftsfähig mit den Digital Natives
Wiley Verlag 2017, 272 Seiten, 19,99 €
ISBN: 978-3527509119

 

 

 

 

 

Die Autoren

Alex T. Steffen (Jahrgang 1990) ist Unternehmensberater mit Fokus Innovation und Digitale Transformation. Zuvor war er Angestellter in analogen Unternehmen und digitalen Startups. Daher kennt er in Bezug auf die Arbeitswelt beide Seiten. Er hat einen Bachelor of Science in International Business. Durch seine Keynotes und Workshops hilft er Unternehmen dabei, in Zeiten des Wandels agiler und robuster zu werden. Kontakt: www.alextsteffen.com

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmenstransformation. Sie zählt zu den gefragtesten Rednern im deutschsprachigen Raum. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Kontakt: www.anneschueller.de

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Über Anne Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfache Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum und hält Vorträge und Workshops zum Thema. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Ab sofort bildet ihr Touchpoint Institut auch zertifizierte Touchpoint Manager aus. Kontakt: www.touchpoint-management.de

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