Warum es wenig Sinn macht, über Generationen XYZ nachzudenken

Ich höre sie schon frohlocken, die Heerscharen an Beratern, Studien-Erstellern, Professoren, HR-Profis und wen es da noch so alles gibt, der sich mit den Generationen auskennt oder auszukennen glaubt. Und natürlich werden die ersten der neuen Generation sich endlich selbstverwirklichen und eine Beratungs- oder Rednerassociation gründen und erzählen, wie anders und neu sie sind und dass sich nun die ganze Welt auf sie einstellen muss, obwohl sie sowieso von niemandem verstanden werden. Gibt es denn schon die ersten 20-seitigen E-Books dazu?

XyzJa, ich meine die neue Generation Z, die nun scheinbar völlig überraschend in das Alter kommt, in dem sie zum ersten Mal auf den Arbeitsmarkt trifft. Und genau dieser Arbeitsmarkt ist jetzt komplett überrascht und weiß nicht mehr, was er tun soll. Aber es gibt ja natürlich sofort die Berater, die sich nun wieder eine goldene Nase bei den Unternehmen verdienen, die schon mit der bisherigen Generation Y ein Recruitingproblem haben.

Tja, jetzt haben wir noch nicht mal die Generation Y verdaut und wieder ausgespuckt, jetzt müssen wir schon wieder alle Unternehmen neu ausrichten, komplett neue Recruitingstrategien und Unternehmenskulturen entwickeln und nichts wird so bleiben, wie es ist. Vermutlich werden nun die Kicker und Billardtische weggeräumt und dafür Wii’s oder X-Boxen angeschafft? Aber welche Rolle hat denn künftig der Feel-Good-Manager? Und das dafür, dass in fünf Jahren sowieso wieder alles anders wird, dann kommt nämlich die Generation ? (wie heißt die dann eigentlich). Doch worüber sprechen wir hier – es sind die zwischen 1995 und 2010 Geborenen, die sind also zwischen 5 und 20 Jahre alt und verändern gerade wieder mal die komplette Arbeitswelt. Haben wir denn aus den Diskussionen um die Generation Y gar nichts gelernt? Ich habe es ja schon öfters hier in meinem Blog geschrieben, in der Talkshow „Fakt ist …!“ des mdr mit dem interessanten Titel „Frech, faul, fordernd – die Generation Y“ mit interessanten Gästen diskutiert, darf das Thema auf der diesjährigen Zukunft Personal in Köln in einem HR-Battle vertreten und sehe auch in der neuen Diskussion wesentliche Fehler.

Das Mengenproblem

Worüber sprechen wir denn wirklich? Auch bei den anderen Generationen wurden immer nur die Hochschulabsolventen befragt, die nun genau wissen, was sie wollen und das ist etwas ganz Neues als bei allen anderen Generationen bisher. Aber was ist denn mit den anderen Berufsgruppen? Was ist mit dem Bäcker, dem Friseur, dem Krankenpfleger und natürlich den weiblichen Formen davon, wir wollen ja politisch korrekt sein? Achja, ich vergaß – das brauchen wir ja alles nicht mehr, wir haben  ja das Internet und die Generation Z wickelt das alles über Business 5.0 ab (glauben Sie mir, bis dahin gibt es das Alles). Und jetzt strömen diese 5 – 20 jährigen in die Unternehmen und werden neue Arbeitsformen erfinden und fordern. Manchmal frage ich mich, wer noch die eigentliche Arbeit macht.

Die Lebensphase

Ich habe es schon einmal gesagt – hätte man mich vor 30 Jahren gefragt, wie ich mir meine Zukunft bzw. meinen Job vorstelle, ich hätte sehr ähnlich wie diese neuen Generationen geantwortet. Nur, dass es damals noch kein Internet gab. Ich glaube nach wie vor, dass diese ganze Diskussion viel mehr eine Frage der Lebensphase ist, als eine Frage der Generation. Und so hat nun einmal jede Lebensphase ihre Ansprüche und Gedanken über das Jetzt und Morgen. Und wer nun wieder mit der Aussage kommt, dass das Internet alles verändert – dem werde ich sagen, dass es das nicht nur für die Jugend sondern auch für die Babyboomer und wen es da sonst noch alles gibt, gilt. Und wieso soll ich als Babyboomer nicht auch mit dem Laptop am Strand sitzen und meine Arbeit erledigen – immerhin hat meine Generation mal das Internet erfunden und irgendwie sind wir damit auch aufgewachsen – oder lernt man ab 20 nichts mehr?

Die Karriere

Na Gott sei Dank, jetzt kommt Sie endlich wieder – die Generation, die auch wirklich Karriere machen will (so beschreibt es zumindest Wikipedia) und nicht nur im Sinn ihrer Arbeit aufgeht. Ich hatte schon Angst, dass unsere Unternehmen künftig karrierefrei bleiben. Aber genau das wird jetzt ein Problem – gerade beginnen die Unternehmen, sämtliche Hierarchien aufzulösen, das Unternehmen dem Mitarbeiter zu übergeben und keine Führungsstrukturen zu etablieren – und jetzt kommt eine Generation, die will wieder Karriere machen. Und dabei ist die letzte Generation noch gar nicht richtig angekommen. Also – alles wieder auf Anfang und Hierarchien und Karrierestufen im Unternehmen einführen – die Berater sind mehr als dankbar!

Doch was ist nun meine Schlussfolgerung? Lasst die Generationen einfach in Ruhe, beschäftigt Euch mit dem einzelnen Menschen, dem Individuum und klärt, in welcher Lebensphase er sich gerade befindet. Und Ihr werdet sehen, es wird Junge geben, die wie Alte denken und es wird Alte geben, die wie Junge denken – was für ein Glück!

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Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

3 Gedanken zu „Warum es wenig Sinn macht, über Generationen XYZ nachzudenken

  1. Und es geht schon los, mittlerweile werden die ersten Seminare angeboten „Generation Z in der Ausbildung – Werteverständnis – Lehr- und Lernmethoden – Ansprache“. Wieso überrascht mich das nicht?

  2. Pingback: "Digitalisierte Mitarbeiterentwicklung mit Balance zwischen Technik und Persönlichem ist unschlagbar" - Thomas Eggert im Interview - Wissen in Bewegung | Blog

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