Rewe muss Praktikantin 17.000 Euro zahlen – ist das unsere Generation Y?

Ach, die so tolle Generation Y. Ich glaube, es gibt keine Generation, über die soviel diskutiert wird, über die so viele schreiben oder über die es derart viel Studien gibt, wie die Generation Y. Selbst Wikipedia ist diese Generation einen eigenen Artikel wert:

„Als Generation Y (kurz Gen Y) wird in der Soziologie diejenige Bevölkerungskohorte genannt, deren Mitglieder um das Jahr 2000 herum zu den Teenagern zählten. Je nach Quelle wird diese Generation auch als Millennials (zu deutsch etwa die Jahrtausender) bezeichnet. Sie gilt damit als Nachfolgegeneration der Baby-Boomer und der Generation X. Der Name ist darauf zurückzuführen, dass auf X -> Y folgt. Die Nachfolgegeneration ist die Generation Z, welche etwa mit dem Geburtsjahr 1998 beginnt.

Die Generation Y gilt als vergleichsweise gut ausgebildet, oft mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Sie zeichnet sich durch eine technologieaffine Lebensweise aus, da es sich um die erste Generation handelt, die größtenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist. Sie arbeitet lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Anstelle von Status und Prestige rücken die Freude an der Arbeit sowie die Sinnsuche ins Zentrum. Mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit sind zentrale Forderungen der Generation Y: Sie will nicht mehr dem Beruf alles unterordnen, sondern fordert eine Balance zwischen Beruf und Freizeit. Nicht erst nach der Arbeit beginnt für die Generation Y der Spaß, sondern sie möchte schon während der Arbeit glücklich sein – durch einen Job, der ihnen einen Sinn bietet. Sie verkörpert einen Wertewandel, der auf gesellschaftlicher Ebene bereits stattfindet, den die jungen Beschäftigten nun aber auch in die Berufswelt tragen.“

Anderes Thema:

Verfolgt man die Recruiting-Welt, dann gibt es derzeit kaum richtige und genügend Bewerber, ganze Industrien haben Angst, in Zukunft keine Mitarbeiter mehr zu finden und viele Berater verdienen sich gerade dumm und dämlich mit dem Thema Recruiting und Arbeitgebermarketing, damit die Unternehmen überhaupt zumindest eine geringe Chance haben, noch Mitarbeiter zu finden. Schauen Sie sich allein schon mal die Blog’s im HR-Umfeld an – 90% beschäftigen sich mit diesen Themen oder lesen sie die ganzen Fachzeitschriften. Mindestens jeder zweite Artikel beschäftigt sich damit.

Zusammengefasst bedeutet diese nun, wir haben eine junge Generation die alles hinterfragt, keine Autoritäten akzeptiert, sich mehr für ihre Freizeit als für die Arbeit interessiert und die sich zurücklehnen kann um sich jederzeit ihren Traumjob auszusuchen kann. Arme Arbeitgeberwelt!

Und dann das: Vor ein paar Wochen ging die Meldung durch die Presse, dass Rewe einer Praktikanten 17.000 Euro nachzahlen muss, da Rewe scheinbar diese Praktikantin acht Monate „ausgenutzt“ hat und die 19-jährige das akzeptiert hat – nur um eine Lehrstelle zu bekommen. Jetzt regen sich alle über den Arbeitgeber auf und verurteilen diesen. Nun, ich muss sagen, dass ich das Thema auch nur aus der Presse kenne und somit auch keine weiteren Hintergrundinformationen habe. Ich finde die Vorgehensweise von Rewe, wenn dies alles so stimmt, auch in keinster Weise in Ordnung – so kann man nicht  mit Mitarbeiter umgehen.

Was mich aber viel mehr verwundert hat – ist diese 19-jährige jetzt ein Beispiel für unsere Generation Y? Das klingt ja gar nicht nach Unabhängigkeit oder der Nichtakzeptanz von Autorität. Und scheinbar ist die Auswahl an Ausbildungsstellen auch nicht so großartig, dass sie es sich aussuchen kann. Nein, sie lässt sich lieber 8 Monate von ihrem Arbeitgeber hinhalten, nur um die Stelle zu bekommen. Aber scheinbar stimmt wenigstens der Mythos um die Unabhängigkeit der GenY, sonst hätte sie sicherlich nicht 8 Monate ohne Verdienst auskommen können – am Ende hat sie dann aber doch noch geklagt, sie war also doch nicht ganz so unabhängig (mal ganz davon abgesehen, dass sie natürlich einen Anspruch darauf hat).

Das Ganze ist mal wieder ein schöner Beweis, dass irgendetwas nicht stimmt. Entweder sind diese ganzen Studien doch falsch – oder es wurden schlichtweg die falschen gefragt. Oder die Jobs sind doch nicht so breit gestreut, wie es die ganzen Berater behaupten – oder, und das werden jetzt sicher die meisten sagen „Das ist ein Einzelfall und hat nichts mit der Generation Y zu tun“.

Und genau darauf will ich mal wieder hinaus – ich glaube nach wie vor nicht an diese Pauschalierung einer ganzen Generation. Ich glaube, dass wir es nach wie vor mit Menschen zu tun haben, und da gibt es zum Glück unterschiedliche Charaktere. Denn komischerweise ist es auch so, dass ich selbst mal ziemlich die gleichen Vorstellungen von der Zukunft hatte – und ich bin Baby Boomer oder nein, es heisst ja jetzt Silberhaar. Zumindest in der Haarfarbe habe ich mich da angepasst …

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Führung, Generationen und verschlagwortet mit von Thomas Eggert. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

Ein Gedanke zu “Rewe muss Praktikantin 17.000 Euro zahlen – ist das unsere Generation Y?

  1. Das ist genau der Punkt, Thomas. Sämtliche Modelle über Gen X, Y oder Z sind vollkommen irrelevant. Es gibt kein Modell, welches eine ganze Generation und deren Verhalten erklären kann. Das ist pure Illusion. Menschen – und dazu zählen eben auch Mitarbeiter – sind Individuen. Daher möge man mich bitte in Ruhe lassen mit neuen Generations-Theorien.

    Gut nur, dass nach Z (hoffentlich) Schluß ist.

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