Mitarbeiter sind zweitrangig ??

Also, das ist mal wieder ein Artikel in der Zeit Online …

… mit dem reisserischen Titel „Mitarbeiter sind zweitrangig“ wird mal wieder über den Personalbereich und seine Inkompetenz hergezogen. Nun, wer regelmäßig meinen Blog liest, weiss, dass ich viele Themen auch kritisch sehe, aber den Untergang des Personalwesens sehe ich wirklich nicht. Und wenn man dann die einzelnen Antworten der wichtigsten Verbände (DGFP und HR Alliance) liest, dann sind da auch keine konkreten Vorschläge zu erkennen. Dabei sehe ich mögliche Verbesserungsvorschläge durchaus und die Chance, dass HR seine Hausaufgaben so erledigt, dass Mitarbeiter eben nicht zweitrangig sind, sondern Mitarbeiter (und HR) an Bedeutung gewinnen.

Doch zu dem Artikel selbst.

Ja, ich bin auch überzeugt, dass sich Personaler viel mehr mit „nackten Fakten“, wie dem Budget oder Zahlen und Effizienz beschäftigen müssen. Das haben viele in der Vergangenheit vernachlässigt und Zahlen lassen sich nunmal leichter und klarer darstellen als das Thema Führungskräfte-Entwicklung oder Recruiting. Dabei gibt es hier bereits Möglichkeiten, diese Themen zu messen und darzustellen. Aber Personaler sind nun mal auch keine Verkäufer und verstehen es nicht immer, ihre Leistungen auch im Unternehmen zu verkaufen. Wie heisst es so schön: Tue Gutes und sprich darüber! Hier müssen Personaler sicherlich zulegen.

Was ich immer wieder klasse finde, dass man wieder mal jenseits des Mittelstands in seiner Breite nur die größten Unternehmen in Deutschland als schlechtes Beispiel nimmt und auf dieser Basis Diagnosen für die gesamte Branche herleitet, u.a. mit der impliziten Aussage, dass Frauen nicht in der Lage sind, diesen Job zu bewältigen. Bei aller Liebe, aber das ist doch absoluter Humbug. Ich habe beruflich sehr viel mit Personalleiter/innen zu tun, vor allem in mittelständischen Unternehmen. Und da sitzen sehr häufig Frauen, die über viele Jahre hinweg einen hervorragenden Job machen – aber darüber spricht mal wieder keiner.

Personaler sollen sich um andere Organisations- und Führungsmodelle sowie durch die Entwicklung neuer Karriere- und Arbeitszeitstrukturen um die Arbeitswelt 4.0 kümmern. Das sind aber schon wieder so schwammige Ziele, die dann keiner nachvollziehen und messen kann. Wenn sich Personaler nur darauf zurückziehen, dann wird es nie etwas mit der Reputation. Um das noch mal klarzustellen: Ja, ich bin überzeugt, dass sich Personaler (wer auch sonst im Unternehmen) um diese Themen kümmern müssen. Aber zuerst müssen sie ihre Hausaufgaben machen und ihre Zahlen und Budgets in Griff bekommen, die administrativen Prozesse effizient gestalten und mit klaren Vorgaben und Zahlen auch intern verkaufen, was sie „Wert“ sind. Dann klappt’s auch mit den  anderen Themen. Nicht umsonst ist in vielen amerikanischen Unternehmen das Thema Payroll beim Finanzbereich und HR kümmert sich um die strategischen Themen.

Ich glaube nicht, dass die Frage ist, ob Personaler die Chance nutzen und Ihre Zukunftsaussichten positiv gestalten. Personaler müssen die Chance ergreifen, sich klarer zu positionieren und auch mal internen Diskussionen zu stellen. Jammern hilft da aber nicht, man muss konkrete Zukunftsoptionen für einen besseren Erfolg aufzeigen und die gibt es zu genüge. Deswegen habe ich mich auch für die Zukunftsinitiative Personal engagiert, die gerade solche Perspektiven verdeutlichen und in die Fläche tragen will.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in HR-Struktur, Prozesse und verschlagwortet mit , , von Thomas Eggert. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

6 Gedanken zu „Mitarbeiter sind zweitrangig ??

  1. Ich glaube, da triffst Du den Nagel auf den Kopf. Wir dürfen nicht nur anprangern, sondern müssen Handlungsoptionen anbieten. Für uns als Dienstleister eine Selbstverständlichkeit – für viele Blogger und Redakteure leider nicht …

  2. Hallo Herr Eggert, ich bin nicht so optimistisch wie Sie. Sagen wir mal so: HR wird es immer geben, weil HR in den Jahrzehnten Mechanismen entwickelt hat, sich unabdingbar zu machen. Und im Management eben keine Zahlen, Daten, Fakten vorliegen die entscheiden helfen, ob HR gebraucht wird oder nicht. Und wo genau.

    Dass HR die Chance nutzt, seine Zukunftsaussichten positiv zu gestalten, sehe ich nur ganz minimal. Bei einigen „VorzeigePersonalern“. Die Mehrheit der Personaler steckt doch im Alltag so fest, dass keine Zeit für die Hausaufgaben der Zukunft bleibt. Selbst wenn HR dieses Dilemma erkennt (was durchaus der Fall ist), bleibt seitens HR kaum Zeit und Kraft, dieses zu lösen. Von daher lässt HR lieber alles beim Alten, das wird ja auch erwartet. Wenn Sie das ändern wollen und können, dann sollten wir uns darüber mal austauschen 🙂

    Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  3. Lieber Henrik,

    wenn man dich so liest, dann muss man leider anerkennen dass du es nicht ganz unrecht siehst.

    Ich habe das Gefühl HR hat keine Ambitionen, da ist oftmals leider so wenig dass es weh tut. Bewerber werden halbherzig gesucht, im internen ist irgendwie Wüste. Aber da liegt doch auch eine Chance begraben, wir können das drehen. Ob es zahlen braucht? Gut möglich, vielleicht braucht es aber auch einfach nur vorzeigeerfolge.

    Fangen die zahlen bei gutem HR nicht irgendwann von selbst auszuschlagen, ist es nicht unübersehbar wenn bessere Ergebnisse im operativen Prozess erziehlt werden? Ich glaube was es braucht sind Menschen mit einer Perspektive, mit dem Willen was zu bewegen und der entscheidenden Portion Frechheit um es durchzuboxen. Es gibt diese Leute. Alles läuft zyklisch und ich denke die Hochphase liegt schon einige Zeit hinter uns, statt HR todzureden sollte man es wieder aufbauen. Die Nationalmannschaft hat es in vielen Jahren geschafft sich vom hässlichen Entlein erst in die Herzen und dann in den Olymp zu spielen. Wenn wir so viel mehr Manpower haben und nur ein paar Menschen die im Stande sind zu überzeugen, dann bekommen wir den Karren auch aus dem Dreck und können da weiter machen wo unser primäres Ziel liegen sollte: Uns um unser Personal, unsere Kollegen und unsere Unternehmen kümmern. Klingt sehr idealistisch? Macht nichts wenn wir es schaffen dass Menschen gerne ihren Beitrag leisten und alle etwas davon haben ist das nicht die schlechteste Sache.

    Herzliche Grüße
    Stefan 😉

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