Ich bleibe dabei – Personaler: Erst die Pflicht, dann die Kür!

Mann, mann, mann – was für eine „heiße“ Diskussion läuft da gerade wieder mal. Blogparaden (#BeyondDigitalHR vom Talentmanagement Blog der VEDA oder #HRLab vom Blog der Zukunft Personal), Artikel vom Human Resource Manager bis zur Huffington Post und eine Vielzahl an Blogs. Alle beschäftigen sich schon wieder mit der Zukunft des Personalwesens und schreiben meterweise Artikel über die Zukunft der Personalarbeit, egal ob Redaktionen von HR-Zeitschriften, HR-Dienstleister, Berater, Software-Hersteller oder wer sich auch sonst noch alles dazu berufen fühlt. Und wieder hören wir die Beispiele der Großkonzerne, die massenweise Thesen aufstellen (wer kann sich die alle noch merken und welchen Nutzen haben sie wirklich) oder die StartUps, die keine Führung mehr im Unternehmen haben (ist bei fünf Mitarbeitern auch nicht so schwer).

Noch kommt die Gegenwart vor der Zukunft

Ja, ich weiß, ich überzeichne gerade wieder etwas (stark), aber bevor wir die Zukunft diskutieren, sollten wir da nicht erst einmal die Gegenwart betrachten? Für mich hört sich das immer so an: Wir planen bereits das Raumschiff Enterprise aus Star Trek, sind aber noch nicht einmal zum Mond geflogen. Natürlich ist es richtig, dass wir mit Big Data alles mögliche auswerten können und intelligente Systeme den idealen Mitarbeiter finden können. Natürlich ist es möglich, dass wir alle administrativen Abläufe an externe Dienstleister auslagern können. Natürlich können externe Berater das Recruiting für uns übernehmen. Natürlich können wir alle Feel-Good Manager einstellen und das ideale Betriebsklima herstellen. Aber sind wir denn selbst dazu bereit?

Sind wir bereit?

Ich war jetzt mehr als 10 Jahre im Bereich HR-Outsourcing tätig und beschäftige mich nun seit mehreren Jahren bei der BEGIS mit der Digitalisierung von Personalprozessen – hierbei vor allem im Mittelstand der deutschen Unternehmen. Meine Erfahrung sagt ganz deutlich: Ja, viele wollen, können sich aber aus unterschiedlichen Gründen noch nicht dazu durchringen. Dies hat mehrere Gründe, einige habe ich vor einiger Zeit in dem Artikel 6 Gründe, warum HR selbst nicht digital wird veröffentlicht und daran hat sich eigentlich nichts geändert. Und ein wesentlicher Punkt ist nach wie vor, dass die Unternehmen selbst in der Regel nicht für solche Themen bereit sind. Da herrscht noch viel zu viel Angst vor den „bösen“ Dienstleistern, vor der Cloud oder dem „ausgeliefert sein“. Und nun bleibe ich bei meiner Kernthese: Es nützt nichts, wenn sich HR nur mit der Digitalisierung oder arbeiten 4.0 beschäftigt und selbst nichts dazu beiträgt. Hier muss erst einmal die Pflicht erledigt und saubere Prozesse aufgesetzt werden. Es gibt genügend Möglichkeiten, als Vorbild die eigene Arbeit zu gestalten. Erst dann darf sich HR auch der Kür annehmen und diese Themen in das Unternehmen treiben. Vielleicht hilft ja auch einmal eine Diskussion, die da heißt: „Die Zukunft der Arbeit kann „so“ gestaltet werden und wir als HR machen es selbst vor und zeigen, wie es funktionieren kann“. Das halte ich für den besseren Weg, als anderen nur zu sagen, wie sie es machen sollen und selbst noch zu überlegen, wie die Rakete zum Mond entstehen kann.

Wer diskutiert mit?

Natürlich ist es wunderbar, wenn wir alle in unseren Blogs darüber schreiben, ich vermisse aber immer wieder die Diskussion mit denen, über die wir schreiben. Manchmal frage ich mich, schreiben wir das nur für uns und unsere Kollegen? Woran liegt es, dass wir so wenig (bis gar kein) Feedback direkt von Personalern bekommen? Sind das doch die falschen Themen oder sehen wir die Welt aus einer verkehrten Sicht? Daher mein Aufruf auch an alle HR’ler – beteiligt euch an der Diskussion, nur daraus können wir alle gemeinsam lernen.

Und noch etwas …

… liegt mir zur Zeit sehr am Herzen. Ich habe es schon unter der Überschrift Personaler, jetzt habt ihr wirklich die Chance, Historisches zu tun geschrieben und auch auf der Huffington Post veröffentlicht (und durfte mich auch schon dafür in den Kommentaren beschimpfen lassen). Vielleicht liegt mir das Thema am Herzen, da wir in München gerade eine der großen Flüchtlingsströme erleben und tagtäglich sehen, wie die Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Eigentlich müsste genau das das Kernthema sein, mit dem wir uns beschäftigen. Oder tun das gerade die Personaler sowieso schon und haben deswegen keine Zeit, sich hier überall zu beteiligen?

7 Gedanken zu „Ich bleibe dabei – Personaler: Erst die Pflicht, dann die Kür!

  1. Pingback: Blogparade #BeyondDigitalHR - Talentmanagement Blog

  2. Kompliment – Sie haben das Thema schön pointiert auf den Pinkt gebracht – besonders der Raumschiff-Enterpreis-Vergleich trifft es gut 🙂

    Um in der Metapher zu bleiben: Wichtiger, als das Raumschiff auf Teufel komm raus und in Rekordzeit zu bauen, ist, den Personalern erstmal die Sehnsucht nach dem großen, schönen Mond zu lehren (um mit Sait-Exupéry zu sprechen). Sprich: Das Thema Digitalisierung und arbeiten 4.0 sollte nicht Ängste schüren, sondern den HRlern klar machen, dass es ihre Arbeit erleichtern kann.

    Auf unserem Videolearning-Blog haben wir uns mal Gedanken gemacht, was das für den Bereich Weiterbildung bedeutet: http://bit.ly/1iIbRAW

    Herzliche Grüße aus München!

    Leo Molatore
    Pink University

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