Generation Y – ist sie doch realistisch?

  • Job, Gehalt, Aufstieg – Die Generation Y stellt alles infrage
  • Die nach 1980 Geborenen gelten als ehrgeizig, selbstbewusst und verwöhnt
  • Die Generation Y fordert Selbstbestimmung und Sinn bei der Arbeit
  • Junge Beschäftigte verlangen eine neue Arbeitswelt. Sonst ziehen sie weiter zum nächsten Job
  • Work-Life-Balance gewinnt an Bedeutung
  • Work smart not hard

All das sind Artikel-Überschriften von Experten zu dem Thema Generation Y. Wir alle können sie mittlerweile fast täglich lesen oder es werden neue Studien dazu veröffentlicht. Ganz nebenbei hat sich mittlerweile eine ganze Branche entwickelt, die uns sagen will, dass die neue Generation an Mitarbeitern ganz andere Bedürfnisse hat, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Da haben nun Unternehmen auf Grund dieser vielen Studien Unmengen an Geld ausgegeben, um der Generation Y den bestmöglichen Einstieg zu ermöglichen – CSR-Kampagnen, Wohlfühlzonen, Spassfaktoren, scheinbar keine Hierarchien und, und, und …

… und jetzt veröffentlicht Absolventa Jobnet eine Studie, nach der für Berufseinsteiger das Gehalt das wichtigste Kriterium ist, gefolgt von Themen wie berufliche Perspektive und die spezifische Aufgabe. Allein diese drei Themenfelder machen ca. 61% der Kriterien aus. Wenig wichtig waren flexible Arbeitszeiten oder das soziale Engagement des Arbeitgebers. Zu lesen im Online-Portal von Haufe.

Irgendwie kommt mir das sehr bekannt vor – das war zumindest bei meinem Berufseinstieg vor 30 Jahren sehr ähnlich.

Jetzt frage ich mich, ist diese Generation Y doch nicht so anders, wie uns alle einreden wollen oder woran liegt es, dass hier plötzlich ein ganz anderes Ergebnis vorliegt. Sicherlich, jetzt kann man diese Studie auch wieder in Frage stellen – das waren ja „nur“ 900 befragte Absolventen. Oder erleben wir gerade die zweite Blase, wie damals – 2003 und dem neuen Markt? Haben hier Berater einen künstlichen Hype erfunden, um mit Mandaten viel Geld zu verdienen?

Mich interessiert ihre Meinung – diskutieren Sie das Thema hier im Blog oder schreiben Sie mir!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Führung, Generationen und verschlagwortet mit , von Thomas Eggert. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

13 Gedanken zu „Generation Y – ist sie doch realistisch?

  1. Hallo Thomas,

    Professor Kruse hat – so hat man mir gesagt – Studie vorgestellt, nach der sich Gen Y zweiteilt:

    – Cluster A ist sogar eher besonders sicherheitsorientiert
    – Nur Cluster B sind die Gen Y, wie sie sonst beschrieben werden.

    Aber auch ein schönes Thema für Streitgespräch Hesse-Eggert.

    Beste Grüße

    Winfried

  2. Lieber Thomas Eggert,

    vermutlich ist beides richtig. Und noch mehr: Auch die Generation Y ist vielfältiger als in vielen Artikeln gemeinhin dargestellt. Die Soziologie weiß dies schon lange. Bekannt für solche Milieu-Beschreibungen sind u.a. die sog. Sinus-Milieus. Die Sinus-Jugend-Studie von 2012 benennt die Lebenswelten von Jugendlichen. Hier geht es dann zwar eher um die Generation Z aber das ist exemplarisch und bei der Gen Y nicht viel anders (lediglich die Prozentwerte dürften etwas geringfügig anders liegen…).
    Link: http://www.sinus-akademie.de/fileadmin/user_files/Presse/SINUS-Jugendstudie_u18_2012/%C3%96ffentlicher_Foliensatz_Sinus-Jugendstudie_u18.pdf

    Viele Grüße

  3. Hallo Herr Eggert,

    da ich mich auch zur vielbesagten Generation Y zählen darf (oder muss…) und mein Arbeitgeber vor einem guten Jahr eine Studie zur sich wandelnden Arbeitswelt in Auftrag gegeben hat, bin ich sowohl rein biologisch, als auch beruflich ständig mit diesem Thema umgeben.

    Ich glaube der wichtigste Punkt ist nicht so sehr die Work-Life-Balance, Familie & Beruf etc., sondern das Thema Kommunikation und Transparenz.
    Wir Y-ler wollen mitreden, mitentscheiden oder zumindest Klarheit, was so in der Chefetage abläuft. Mich ärgert es z.B. wenn ich wichtige Dinge von meinen Kollegen erfahre, die mir die Führungsriege verschweigt. Ebenso ärgert es, wenn ich keine Kritik äußern darf oder diese nicht gehört wird. Ich möchte Mehrwert für mein Unternehmen sein, aber mein Unternehmen muss auch Mehrwert für mich bieten und das geht vor allem durch Transparenz und Mitbestimmung. Es geht nicht so sehr um das Thema „Führung“, sondern darum, das alte Hierarchien blockieren und vor allem keine Kreativität zulassen. Man könnte es ganz einfach sagen: Keine Kommunikation = keine Kreativität/sozialer Austausch = kein Spaß = keine Effizienz.

    Das Geld und Perspektive in der heutigen Zeit mit Wirtschafts- und Währungskrisen grundlegende Bedürfnisse sind, ist sicher nicht nur bei meiner Generation der Fall…zum Thema Work-Life-Balance: Werfen Sie mal einen Blick auf Investmentbanken und Strategieberatungen: Viele haben mittlerweile vergleichsweise große Personalprobleme, denn die Arbeitszeiten lassen kein Sozialleben zu, das Up-or-Out System ist unpersönlich und macht Teams zu Gegnern und nicht zu Mitspielern und vor allem…was bringt das gute Gehalt, wenn man es aufgrund mangelnder Freizeit sowieso nicht ausgeben kann?

    Uns Y-ler sollte man differenziert betrachte. Es gibt immer Faktoren, die für jede Generation wichtig waren und sein werden. Wichtig ist aber: Redet mit uns, lasst uns reden und hört uns zu und vor allem: Lasst neue Ideen zu…

  4. Hallo zusammen,

    Ich würde mich nun auch mal gerne zu dem Thema melden, da ich nicht nur selber Gen Y-ler bin, sondern auch mit dem Thema an sich viel zu tun habe.

    Ich denke, das Thema ist viel zu gehyped. Generation Y soll angeblich selbstbewusst sein und sich den Arbeitgeber aussuchen können – wer das eine nicht bietet, Pech gehabt, der nächste Arbeitgeber nimmt mich mit Handkuss!

    Man darf nicht vergessen, die Generation Y hieß auch schon Generation Praktikum – voller Unsicherheit und Angst vor der beruflichen Zukunft. Dieselbe Generation aus zwei ganz unterschiedlichen Blickwinkeln!

    Mich nerven Aussagen wie „GenY ist faul und schlecht ausgebildet (am besten nocheinen Bachelor of Arts!)“. Das habe ich erst vor einer Woche gelesen und mich sehr geärgert.

    Das ist unreflektiert und pauschalisiert. Man sollte bedenken, wieviele Studenten mehrere Jobs haben, um ihr Studiumfinanzieren zu können, und dann soll man noch in 3 Jahren alles lernen, was früher in der doppelten Zeit verlangt wurde. Faul? Dass ich nicht lache. Ich kann mich nicht daran erinnern, in meinem Studium regelmäßig ausgeschlafen oder gefeiert zu haben. Dazu hatte ich schlichtweg keine Zeit, ich hab gelernt und gearbeitet wie eine blöde. Wie Hunderte andere auch.

    Aber es geht hier nicht um mich, sondern darum, wie man das Thema behandelt.

    Man sollte nicht unbedingt alles auf diese Generation ausrichten, auch wenn diese die Hauptzielgruppe ist. Viel wichtiger ist es aktuelle Mitarbeiter noch zufriedener zu machen, denn dadurch erreicht man das beste Employer Branding. Und es gibt genügend Firmen, die keine Wohlfühl-Lounge haben oder eine 35 Stunden Woche bieten und trotzdem gute Leute finden und auch halten können.

    Viele Grüße,

    Stefanie Gastgeb

  5. Hallo Herr Eggert!

    Der von Blog-Beitrag von Vanessa Funk endet: „Uns Y-ler sollte man differenziert betrachten. Es gibt immer Faktoren, die für jede Generation wichtig waren und sein werden. Wichtig ist aber: Redet mit uns, lasst uns reden und hört uns zu und vor allem: Lasst neue Ideen zu…“

    Ja, das mit dem Zuhören … Und damit ist (nach meiner Meinung) nicht nur das geduldige hören, dass was gesagt wird, gemeint. Nein: „Lasst neue Ideen zu …“

    Die Generation Y scheint also nicht, so eindeutig zu sein beim handeln und so eindeutig zu „sein“, wie „man“ immer annimmt.

    Sie schreiben das oben ganz deutlich: „Jetzt frage ich mich, ist diese Generation Y doch nicht so anders, wie uns alle einreden wollen oder woran liegt es, dass hier plötzlich ein ganz anderes Ergebnis vorliegt.“
    Und zu diesem irritierenden Ergebnis kam auch Peter Kruse. Er hat da zwei Gruppen identifiziert, die sich Inhaltlich gegenüberstehen. Spannend wie er beschreibt was sie herausgefunden haben. Hier ein Video (Ausschnitt, ca 4 Minuten): http://www.youtube.com/watch?v=ELArZG1iJ4g&feature=player_detailpage#t=763
    Das ganze Video ansehen ist natürlich auch interessant (Es geht um Führung).

    Egal, wie die Generation Y von uns eingeschätzt wird.
    Es sind Menschen. Menschen sind individuell.
    Reden wir mit Ihnen, hören wir zu und überlegen was wir tun können.
    Behandeln wir sie individuell. Und es wird klappen!

    • Hallo Herr Gross,

      da sprechen sie mir aus der Seele. Ich glaube auch, dass es am Ende die individuellen Menschen sind, die eine Generation ausmachen und die kann man nun mal nicht über einen Kamm scheren. Auch zu meinen „jungen Jahren“ gab es schon die verschiedensten Ausprägungen und ich bin davon überzeugt, dass wir genau darauf achten sollten.

      Aber genau deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, warum uns die unterschiedlichsten Studien (oder die, die solche Studien beauftragen) uns immer wieder einreden wollen, dass alle gleich sind, nur weil sie einer Generation angehören!

      • Hallo Herr Eggert!

        Zuerst freut es mich, dass wir einer Meinung sind – Danke!

        Über Ihre Frage zu den „Studien“ musste ich Nachdenken. Meist lese ich auch nur die (redaktionellen) Zusammenfassungen, oder (noch _schlimmer_ ?) die Schlagzeilen dazu. Wenn ich mir die Zeit nehme (und die Möglichkeit habe) eine Studie zu „studieren“, dann fällt mir oft auf, dass es da auch Auswertungen/Zahlen gibt, die kein eindeutiges Bild ergeben. Ich lese gerade (auf Empfehlung) Riederle, Philipp, „Wer wir sind und was wir wollen“. Gut zu lesen, flüssig geschrieben, manchmal wirkt er provokant auf mich.
        Aber hier Wichtig: Er schert nicht alle (weder „seine“ Generation, noch die „Alten“) über „einen Kamm“, er differenziert auch. Wenn ich die Zusammenfassungen, Anpreisungen, Buchbesprechungen lese, erhalte ich kein differenziertes Bild seines Buches.

        Ich fühle mich bestätigt: Menschen sind individuell.
        Lassen wir uns nicht von Schlagzeilen „ver-führen“. Schauen wir dahinter, reden wir mit den Menschen.

        Ja, und dann noch die, die hinter den Studien stehen. Das wäre schön, wenn ich nach der Schlagzeile immer gleich lesen könnte, wer das „sagen“ lässt. Dann wäre es einfacher das „cui bono“ zu beantworten. Zufall zwischen den Nutzen und dem Auftraggeber/Veröffentlicher schließe ich bei der Veröffentlichung einer Studie eher aus.
        Aber da gehe ich nun schon seeehr tief ins Thema hinein …

        Ich danke Ihnen für diese Diskussion!
        (Mit dem Dank will ich sie nicht abschließen / -würgen – ich will den aktuellen Stand, aus meiner Sicht, würdigen)

        MfG – Wolfgang Gross

        • Hallo Herr Whittington, hallo Herr Gross, hallo Thomas,

          die Dualisierung der Gesellschaft sehe ich auch und habe sie auch im letzten Competence Report thematisiert:

          http://www.competence-site.de/show_competence_report/cns-i?kw=2013-45

          Ich sehe auch, dass Menschen individuell verschieden sind.

          ABER: Es geht auch immer um Tendenzen und um Durchschnittswerte, weil darauf Entscheidungen und Handlungen im Personalmanagement basieren, z.B. ganz trivial, wie man seine Stellenanzeigen konkret formuliert. Wenn man davon ausgeht, dass man seine Zielgruppe über Karriere und Vergütung für sich gewinnt, dann wird man diese harten Faktoren in den Vordergrund stellen, ansonsten vielleicht eher weiche Faktoren wie Work Life Balance, Corporate Social Responsability etc. Oder ein buntes Bild 😉

          Und hier – im Durchschnitt jenseits des Einzelnen – glaube ich schon, dass Generation verschieden sind, weil Eltern heute z.B. ihre Kinder anders erziehen und sie auch anders finanziell unterstützen. Als Kind einer sechsköpfigen Familie waren meine Möglichkeiten ganz andere als es die Möglichkeiten meiner Tochter heute sind. Das ist nicht nur gut.

          Insofern: Ja, es gibt eine zunehmende Dualisierung, ja, Menschen sind verschieden, trotzdem müssen wir dennoch darüber nachdenken, was sich verändert hat, damit wir adäquat auf Veränderungen reagieren können. Dass dabei Wissenschaftler oder Berater oder Journalisten gerne mal vereinfachen, wird wahrscheinlich immer so bleiben, insofern muss man bei jeder Trend-Studie immer noch einmal selbst nachdenken, um den wahren Kern zu erkennen.

          Beste Grüße

          Winfried Felser

  6. Lieber Herr Eggert,

    ich sehe nicht so sehr einen Kampf zwischen den Generationen, sondern einen Kampf zwischen zwei Sozialschichten. Es gibt viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, überhaupt eine Arbeitsstelle zu finden. Solche Menschen studieren „praktische“ Fächer, wie z.B. die Wirtschaftsinformatik oder angewandte X und wollen mit dem Studium Geld verdienen. Dann gibt es die Bildungselite, die In der Regel Jobs ausserhalb der stressigen Marktwirtschaft suchen. Allerdings glaube ich, dass jemand der z.B. Philosophie studiert hat, der Gesellschaft viel mehr wert sein kann als jemand der etwas technisches studiert hat. Technische Lösungen sind sehr kleine Probleme. Lesen Sie bitte http://articles.washingtonpost.com/2012-05-16/national/35456208_1_humanities-majors-degree-holders-technology-job

    herzlichen Gruß,

    Aaron Whittington

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