Frau Schwesig und die Praxis

Die Sozialdemokratie, insbesondere Frau Schwesig, hat sich soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben und will in dieser Legislaturperiode Zeichen setzen. Der erste Coup war die Quote für Aufsichtsräte. Das bringt relativ viel für die wenigen Damen der Finanz-und Industriearistokratie, die sich jetzt als Multiaufsichtsrätinnen etablieren, wie in Norwegen, wo man sie Goldröcke nennt, weil es viele lukrative Posten für relativ wenige Damen gibt. Es bringt aber relativ wenig bis nichts für die vielen Frauen, die im Mittelbau oder den Niederungen der Unternehmen angestrengt versuchen Karriere zu machen, denn dort gibt es keine Quoten. Dort regieren die alten Zement-Kulturen. Praxis also wie gehabt!

Nun kommt Equal Pay. Frau Schwesig will einen gerechten Lohn für alle, wogegen wirklich niemand etwas haben kann. Sie möchte jetzt wieder ein Gesetz machen, das den schönen Namen „Entgeltgleichstellungsgesetz“ bekommt. Sie hat auch schon beschwichtigt, dass es nicht heißt, dass nun jeder bei jedem ins Portemonnaie schauen darf. Es wird so geregelt, dass die Firmen ihre Lohn-und Gehaltsbänder den Mitarbeitern offen legen sollen. Der Mitarbeiter sieht dann, wo er/sie steht und kann dann mutig seine flotten Forderungen stellen, sodass der überzeugte Arbeitgeber reumütig zusammenklappt und den Wünschen der Mitarbeiter umgehend nachkommt. Schön wäre es ja.

Über Lohn-und Gehaltsbänder – so kenne ich es – verfügen eigentlich alle renommierten Firmen. Nun kommen die schwarzen Schafe noch dazu. Das gibt dann wieder schöne Aufträge für Kienbaum und Co., Gehaltsbänder für die vielen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern zu entwickeln. Wer die Praxis als Manager oder Personaler kennt weiß, dass damit für die Mitarbeiter überhaupt nichts gewonnen ist.

Denn die Einstufung eines Mitarbeiters hängt – trotz Bänder – von vielen individuellen Faktoren ab. Ich nenne nur einige: Erfahrung im Job, Zusatzkenntnisse, Ausbildungsgrad, Zugehörigkeit zum Unternehmen, spezielle Verantwortung, Potenzialeinschätzung und das Problematischste ist die Jahresbeurteilung nach Zielerreichungskriterien. In allen Fällen liegt die Subjektivität und damit die Manipulation zum Greifen nah! Ich will noch erwähnen, dass selbst jemand, der alles erfüllt hat und das Recht auf eine Prämie oder Bonus hätte, diesen nicht bekommt, weil das Budget, das der Abteilung vom Management zugewiesen wurde, den vollen Bonus nicht hergibt. Soweit die Praxis.

Was haben also beide Gesetze gemeinsam? Sie genügen dem Gerechtigkeits- und Selbstgerechtigkeitsanspruch einer Partei, die mit Scheinlösungen Ehre auf dem Feld der Gleichmacherei gewinnen will.

Mich erinnert es an Zertifizierungen der 90er Jahre: die Kantinen wurden picobello zertifiziert, nur der Koch verdarb den Brei!

Lehre aus der Praxis: Gesetze schaffen keine heile und gerechte Arbeitswelt!

 

Peter Friederichs

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