Flüchtlinge 2015 – Einen Perspektivenwechsel wagen

Angesichts der Flüchtlingswelle kämpft momentan die Willkommenskultur mit der Skepsis, diese Aufgabe auch wirklich zu bewältigen. Die Skepsis hat ihre Ursache in den beginnenden oder schon auffälligen Konflikten, die in den Lagern um sich greifen und in der wahrnehmbaren Hilflosigkeit der staatlichen Stellen die Probleme zu lösen. Mich erinnert das an Paul Watzlawick`s Hinweis, dass manche Problemlösungen das eigentliche Problem an Schwierigkeit noch übersteigen können.

Wagen wir einen Perspektivenwechsel. 

Ein Flüchtling könnte auch nach Abraham Maslow (Bedürfnispyramide) argumentieren und würde dazu sagen: Prima, dass ihr in Deutschland dafür sorgt, dass meine Basisbedürfnisse erfüllt werden, nämlich, Rettung aus der Not, ein Dach über dem Kopf, dazu Essen, Kleidung und Gesundheitsversorgung. Das ist ja schon viel!

Weniger zufrieden wäre er mit der Erfüllung der höheren Bedürfnisse wie materielle und berufliche Sicherheit, der sozialen Bedürfnisse, wie Gruppenzugehörigkeit, Familie oder gar den Bedürfnissen nach gesellschaftlicher und beruflicher Anerkennung, Geltung und Kontakt oder gar dem zentralen Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.

Der Perspektivenwechsel zeigt auf, dass die meisten dieser Bedürfnisse Defizitbedürfnisse sind und die Menschen, sobald die Defizite behoben sind nach den höheren also den Wachstumsbedürfnissen rufen. Und da beginnen im Augenblick die Probleme und Konflikte.

Es sind die Wünsche nach Familienzusammenführung, sich in der eigenen Kultur aufgehoben zu fühlen, der Wunsch nach langfristiger Beschäftigung, nach Weiterbildung, dem Bedürfnis nach Akzeptanz in der Gesellschaft und Akzeptanz der eigenen Fähigkeiten und schließlich der Traum von der Selbstverwirklichung in einem fremden Land.

Können wir mit diesen Bedürfnissen umgehen, was machen wir bereits und was wäre zu entwickeln?

Nun zu unserer Perspektive. 

Es ist eine große Chance für uns, die Probleme unserer demographischen Entwicklung langfristig zu mildern und den Fachkräftemangel zu kompensieren, die Flüchtlinge können eine große Chance für uns sein, denn es sind sicher die aktivsten Menschen, die sich auf die Flucht begeben und sich eine neue Existenz aufbauen möchten.

Beispiele aus unserer Geschichte zeigen das: Deutschlands Entwicklung ohne die gezielte Aufnahme von Flüchtlingen war kaum denkbar. Denken wir aber auch an die USA, Kanada, Australien etc.

Schauen wir auf Heute.

Gerade aus Syrien kommen zum Großteil Gebildete, höher Qualifizierte aber es kommen auch viele mit geringer und sehr schwacher Bildung und tief in ihrer eigenen Kultur und Religion wurzelnden Menschen.

Perspektiven zusammenbringen. 

Wir sind doch leidvoll erfahren mit der Integration von Menschen und haben dabei massive Rückschläge erlebt auch aus den vielen Unternehmensfusionen. Sollten wir da nicht aus den Fehlern lernen?

Der Generalfehler in allen gescheiterten Integrationsversuchen war die komplette Vernachlässigung des menschlichen Bedürfnisse und der kritischen Gefühle wie Angst, Neid und Trauer. Neben der rein verwaltungsorientierten Integration bedarf es vielmehr der Bearbeitung und Bewältigung der seelischen Traumata, der Ängste und Sorgen, der mangelnden Perspektive und beruflichen Entwicklung, dem Respekt und der Integration der Kulturen und Religionen. 

Es sollte deshalb sofort und konsequent neben allen anderen Strategien und um eine WIn-Win-Ergebnis zu erzielen der Fokus auf die Psyche der Menschen gerichtet werden:

  • Sozialfürsorgerische und psychotherapeutische Betreuung der vielen traumatisierten Kinder und ihrer Mütter 
  • Etablierung von Flüchtlingssprechern/räten,die je nach Herkunftsland selbstbestimmt ihre Lösungsideen einbringen können und Initiativen mitübernehmen können 
  • Eignungs- und Potential -Screenings wie in der Industrie, um Begabungen und Kompetenzen schnell und effizient festzustellen 
  • Intensives Sprachtraining durch zügige Anstellung von Lehrern 
  • Beschäftigungsinitiativen für Jugendliche und Heranwachsende 
  • Schnelle Heranführung von Erwachsenen produktive Tätigkeiten 
  • Vermeidung der Ghettobildung durch Betreuung durch einheimische Kulturvertreter und Konfliktberater 
  • Psychologen, Therapeuten und erfahrene Integratoren/Berater und Changemanager müssen die Helferteams umgehend ergänzen 

Jetzt müssen wir mit dieser historisch einmaligen Lage umgehen lernen. Jetzt gilt es humanitär zu handeln! Wir brauchen aber in naher Zukunft ein Einwanderungsgesetz. Nur das wird es Deutschland ermöglichen, die eigenen zukünftigen Bedarfe im demografischen Wandel zu ermitteln und gezielt Talente zu gewinnen und dadurch für beide Seiten eine Win-Win Situation herzustellen.

Dieser Beitrag ist auch Teil der Blogparade #HR for Refugees – Aufruf zur Blogparade

 

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