“Die Sterne stehen gut” – Interview mit Christoph Kull von Workday, Teil 1

Workday ist neben Salesforce der Cloud-Pionier und bietet Unternehmen Lösungen für den HR- und Finanzbereich. Im Jahr 2012 verzeichnete Workday in den USA den größten Börsengang im Technologiesektor nach Facebook. Gegründet wurde das Unternehmen vom ehemaligen Peoplesoft-Gründer David Duffield. Neben Oracle ist SAP in Deutschland der Hauptwettbewerber von Workday. Namhafte Unternehmen wie Sanofi, HP, Siemens CVC, Unilever und Swarowski setzen auf Lösungen von Workday. Ich habe ein Gespräch mit Christoph Kull, Regional Vice President DACH von Workday, geführt und ihn gefragt, wie Workday in Deutschland aufgestellt ist.

Thomas Eggert: Wer ist Workday und was machen Sie da?

Christoph Kull: Workday ist ein Anbieter von benutzerfreundlichen Enterprise-Cloud-Anwendungen für das Finanz- und Personalwesen und hat seine Software genuin für die Cloud entwickelt. Gegründet wurde Workday 2005 von Dave Duffield und Aneel Bhusri in den USA, die sich bereits zuvor bei PeopleSoft kennengelernt hatten. Drei Jahre später wurde das Büro in München als Entwicklungszentrum für Produkte und Technologie gegründet. Im Januar 2015 erfolgte dann der offizielle Markteintritt, begleitet von einem Ausbau des Münchner Büros sowie einer Expansion in der DACH-Region: Im selben Jahr eröffnete unser Büro in Karlsruhe und ein weiteres in Zürich. Meine Aufgabe als Regional Vice President für die DACH-Region ist es, ganzheitlich die Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu leiten. Workday arbeitet hier inzwischen mit Partnern wie Accenture, Aon Hewitt, DayNine Consulting, Deloitte, HP, IBM, Mercer, Promerit/realright und PwC zusammen und hat weltweit mehr als 1000 Kunden. Etwa 170 davon arbeiten in Deutschland mit der Workday-Lösung – beispielsweise Hewlett Packard (HP), Reuters, Philips oder Kuoni.

Die Lösungspalette von Workday erstreckt sich vom Human Capital Management (HCM) über das Finanzmanagement bis hin zu Analyseanwendungen für größere, internationale Unternehmen. Wir adressieren die Herausforderung von vielen Unternehmen, die im HR Bereich unterschiedliche Softwarelösungen in ihrer Infrastruktur zusammenführen möchten. Wenn die Verarbeitung von Personaldaten und Transaktionen auf eine einzige Plattform gehoben wird, erleichtert das HR-Verantwortlichen nicht nur die Arbeit – es steigert die Effizienz datengestützter Analysen, auf deren Basis sich wiederum belastbare Entscheidungen treffen lassen.

Thomas Eggert: Workday will neue Maßstäbe im Personalmanagement setzen. Womit wollen Sie das das bei welcher Zielgruppe erreichen?

Christoph Kull: HR-Manager haben durch die Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten: Eine Personalabteilung, die intelligente Systeme für das datengestützte Talent Management nutzt, kann dem Unternehmen einen signifikanten Vorsprung am Markt bescheren. Aber wir wollen HR nicht einfach nur sichtbarer im Unternehmen machen, sondern als strategischen Partner verankern, der nachweisbar zum Unternehmenserfolg beiträgt. Workday bietet seine Lösung „aus einem Guss“, die einfach zu integrieren ist und Big-Data-Analysefunktionen bietet. Sie richtet sich an HR-Profis und Entscheider global-orientierter Unternehmen, die viele Mitarbeiter und Standorte im Ausland haben: Mit Workday haben sie einen detaillierten Überblick über ihre Daten und Leistungskennzahlen. Damit trägt die Lösung zu einer einfacheren, transparenten Entscheidungsfindung bei. Aber auch jeder einzelne Mitarbeiter profitiert von der Einführung und dem Einsatz von Workday: Geleistetes wird leichter nachvollziehbar und die Analyseergebnisse können für seine individuelle Weiterentwicklung eingesetzt werden. Da die Workday User Experience einzigartig ist, wird die Lösung gerne und oft genutzt, was letztlich die Datenqualität steigert. Die Erkenntnisse, die HR-Manager aus dem so optimierten Informationsmaterial ziehen können, lassen sich zum Vorteil der gesamten Unternehmensplanung einsetzen.

Thomas Eggert: Den Einstieg in den deutschen HR-Markt haben ja schon mehrere amerikanische Unternehmen versucht – leider sind aber die Erfolge bisher ausgeblieben. Warum wird gerade Workday erfolgreich sein?

Christoph Kull: Workday ist von Anfang an als globale Firma mit einer globalen Lösung aufgetreten. Unsere ersten Kunden waren sehr international ausgerichtet, beispielsweise Flextronics mit 200.000 Mitarbeitern, über 100.000 davon in China. Die Vorzüge unserer Lösung werden umso deutlicher, wenn sie länderübergreifend eingesetzt wird, denn sie kann einfach an länderspezifische Anforderungen angepasst werden. Kein Zufall also, dass wir in der jährlichen Umfrage zur Kundenzufriedenheit seit Jahren bestens abschneiden – in 2015 lag sie bei 98 Prozent. Hier kommt uns die bei PeopleSoft gesammelte Erfahrung unserer Gründer zugute und wir setzen diesen Wissensvorsprung zielgerichtet ein: Workday verfügt über ein elegantes und intuitives Design, ist hochgradig performant und skalierbar und vor allem nativ für die Cloud entwickelt. Damit punkten wir auch in Deutschland, wo wir auf großes Interesse an Enterprise-Cloud-Lösungen für das Personalmanagement stoßen.

Thomas Eggert: Ein großes Manko aus meiner Sicht ist die fehlende Payroll, die bekannterweise in Deutschland sehr komplex ist und nicht so einfach aus anderen Ländern portiert werden kann. Etablierte Payroll-Anbieter in Deutschland decken aber mittlerweile auch die Personalmanagement-Funktionen ab und die Lösungen aus Rechenzentren heraus haben sich mittlerweile bewährt. Warum soll ein Unternehmen für den Bereich HRM einen zweiten Anbieter wählen?

Christoph Kull: Payroll-Anbieter habe ihre Historie in der Abrechnung, Unternehmen sehen darin einen administrativen Aspekt, der einfach funktionieren muss. Payroll ist für die meisten internationalen Unternehmen ein reiner Kostenblock ohne strategischen Mehrwert. Daher bevorzugen immer mehr Unternehmen einen globalen Payroll-Anbieter, der Abrechnungen als Dienstleistung auslagert. Die Anbieter besitzen in der Regel nicht die gleiche Funktionsvielfalt und Analysetiefe wie Lösungen, die eigens für HCM konzipiert wurden. Zum Teil ist es zwar möglich, Stammdaten abzulegen, aber keiner der Anbieter deckt alle wichtigen strategischen HR-Aspekte ab. Workday hat eine HR-Expertise, die sich in umfassenden Funktionen ausdrückt, die bei der Umsetzung wertschöpfender, strategischer HR-Maßnahmen einen entscheidenden Beitrag leisten –

Stichwort Wettbewerbsvorteil. Zu diesen Funktionen zählen das Talent Management, Recruiting, oder die Kapazitätsplanung von Mitarbeitern und vieles mehr. Da es eine native Cloud-Lösung ist, können Nutzer auf ihre Daten von überall aus und auch über mobile Endgeräte zugreifen. Den Urlaubsantrag schnell am Flughafen eingeben oder genehmigen oder den Recruiting-Prozess unterwegs vorantreiben – alles kein Problem. Zudem können Informationen aus verschiedenen Fachbereichen zusammengeführt und analysiert werden. Darauf zielt auch unsere verstärkte Zusammenarbeit mit ADP ab, einem Anbieter von Services und Lösungen rund um die Personaladministration und HR-Management: Durch die Kooperation können unsere multinationalen Kunden ihre Gehaltsabrechnung einheitlich abwickeln.

Über Christoph Kull

160224 Christoph KullChristoph Kull ist bei Workday der Regional Vice President für die Region DACH und eitet damit ganzheitlich die Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er berichtet an den EMEA President, Chano Fernandez.

Christoph Kull kann auf über 15 Jahre Erfahrung in der Software Branche zurückblicken. Vor seiner Position bei Workday war er acht Jahre bei SAP als Vice President Database & Technology DACH und in verschiedenen anderen Führungsrollen im Vertrieb tätig. Davor gründete und leitete Christoph Kull eine Management Beratungsfirma (alsus), nachdem er mehrere Jahre als Senior Projektmanager bei SAP Consulting arbeitete.

Christoph Kull verfügt über einen MBA in International Consulting von der Graduate Business School in Pforzheim sowie einen Universitätsabschluss in Wirtschaftsinformatik der University of Washington in Seattle.

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Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

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