Die digitale HR-Welt – oder wachen Personaler langsam auf?

Die Bedeutung der Digitalisierung von Prozessen wird auch in den Personalabteilungen immer größer. Ich habe hierüber ja auch schon öfters in meinem Blog geschrieben:
Automatisierung / Outsourcing im HR – Status quo und Potenziale? oder Entscheidungshilfen für Automatisierung im HRM?

HR-PerformanceAktuell ist in der HR Performance eine Studie erschienen, die sich mit dem Thema „Die digitale HR-Welt“ beschäftigt. Im ersten Teil geht es um die derzeitige Nutzung von HR-Software, im zweiten Teil um künftige Planungen bei Unternehmen. Bei der derzeitigen Nutzung erscheint mir als sehr interessant, dass zum einen gerade in den Prozessen, die doch sehr arbeitsintensiv sind, wenig IT-Tools eingesetzt werden – so zum Beispiel bei der Personalbeschaffung. Zum anderen gehen die Unternehmen aber auch im Personalbereich immer mehr dazu über, Software nicht selbst einzusetzen (On-Premise). Lösungen wie SaaS, Cloud oder über externe Dienstleister werden mittlerweile bei mehr als 50% der Firmen eingesetzt.

Die Angst vor der externen Nutzung geht also immer mehr zurück, das Outsourcing der Anwendungen tritt immer mehr in den Vordergrund. Und das ist auch gut so. Denn auch aus meiner Sicht macht es wenig Sinn, solch spezialisierte Anwendungen selbst zu betreiben und auch das Customizing selbst zu übernehmen. Das können spezialisierte Dienstleister in der Regel besser und am Ende auch kostengünstiger.

Immerhin fast 60% der Unternehmen nutzen bereits eine digitale Personalakte – dieser Wert hat mich sehr überrascht. Aus meiner Erfahrung sowohl in den letzten 15 Jahren Outsourcing und jetzt bei der BEGIS als Hersteller einer digitalen Aktenlösung hätte ich diesen Wert auf maximal 20 – 30 % geschätzt. Das zeigen auch Telefonaktionen, die wir durchführen – hier haben max. 30% der Unternehmen eine solche Lösung im Einsatz. Erstaunt war ich hier auch in der Nutzung von SaaS – das wird gerade bei der digitalen Akte am wenigstens genutzt. Und das, obwohl hierfür hohe Investitionen für Archivierungssysteme benötigt werden.

Wirklich verblüfft war ich über die Auswertung, dass „nur“ 90% eine Software für die Gehaltsabrechnung nutzen – wie machen die das überhaupt?

Bei den Planungen für die Zukunft wird der große Renner scheinbar die digitale Personalakte – wobei hier ein Umdenken stattfindet. Der überwiegende Teil der Unternehmen plant die Einführung der Lösung als SaaS oder Outsorucing. Interessant ist auch die Aussage, dass nur 9% der Unternehmen planen, Software für Bereiche neu einzuführen, ein größerer Teil plant die bisherige Software zu ersetzen. Hier wäre es sicherlich interessant gewesen, die Gründe genauer zu erfahren.

Insgesamt erscheint mir die Studie in den meisten Bereichen auch aus meiner Erfahrung heraus für plausibel. Schade ist, dass nur 95 Unternehmen daran teilgenommen haben. Wie repräsentativ das ist, muss jeder für sich entscheiden. Und eine Aussage, dass größere Unternehmen auch größere Budgets zur Verfügung haben, ist aus meiner Sicht etwas überflüssig. Dennoch bleibt es nach wie vor dabei – die meisten Investitionen gibt es in den „althergebrachten“ Themen, wie Aktenlösungen, Reisekostenabrechnung oder Stammdatenverwaltung. In den Themen, die alle Berater oder andere Studien gerade als die wichtigsten HR-Herausforderungen sehen, wie Employer Branding, E-Assessment oder Mitarbeiterbefragung wird am wenigstens investiert. Sind diese Themen dann doch nicht so wichtig?

Die beiden Artikel können Sie hier downloaden.

Kommentar verfassen