Babyboomer schuften, Generation Y chillt – eine Diskussion!

Mein letzter Blog hat gerade in der Huffington Post zu Kommentaren, teils kritischen Anmerkung eines Blogger- und Personalerkollegen geführt, zu der ich gerne Stellung nehme.

Zunächst freue ich mich, wenn Beiträge auch mal kritisch bewertet werden, denn ich bin überzeugt, dass nur durch eine offene Diskussion Dinge bewegt und verändert werden können. Doch nun zu den Anmerkungen von Stefan Nette:

Zunächst einmal möchte ich Herrn Eggert jedoch in einem Recht geben, was medial so alles über meine Generation geäußert wird ist teils hanebüchen, an den Haaren herbeigezogen und das Thema wird zugegebenermaßen viel zu wenig differenziert.

Thomas Eggert: Danke!

Zitat 1: „Denn neben den ganzen Feststellungen um die Generation Y und deren „Bauchgepinsel“ lese ich auf anderer Seite, dass die „Älteren“ nun immer mehr arbeiten müssen und wir Babyboomer uns nicht auf den hoffentlich wohlverdienten Ruhestand freuen dürfen, sondern bis 67 oder 70 arbeiten sollen. Gerade dazu passend habe ich heute in der Zeit gelesen, dass Daimler die älteren Mitarbeiter zurückholt.

Wenn wir uns das mal ganz polemisch anschauen, ist die Schlussfolgerung klar: Die Babybommer müssen länger schuften damit die Generation Y chillen kann.“

Das empfinde ich tatsächlich als hochgradig polemisch, nicht nur da das Renteneintrittsalter voraussichtlich noch höher liegen wird für unsere Generation. Auch weil wir eben garnicht mehr auf den Generationenvertrag bauen können. Im Gegensatz zu den Babyboomern können wir unsere staatliche Rente getrost abschreiben, haben aber gefälligst einzuzahlen. Vielmehr noch ist es anmaßend zu behaupten wir würden chillen. Das Unternehmen, in dem ich Personalarbeit leiste besteht zu einem überwiegenden Teil aus Mitgliedern der Generation Y. Ebendiese Kollegen machen einen hervorragenden Job und nur weil sie einen gerechtfertigten Anspruch auf ein Leben neben dem Job hegen sind sie weder faul, noch am Dauerchillen. Ihre Generation ist gegen das Establishment auf die Straße gegangen. Nein nicht alle, sondern das Bildungsbürgertum, ebenjene die  es sich leisten konnten (Genau wie bei uns, denn die Gen Y ist nichts anderes). Eine ähnliche Entwicklung haben wir auch bei unseren Bestrebungen die Arbeitswelt zu verändern, wir versuchen etwas zu verändern und machen das mit den Mitteln die wir für sinnig halten. Anstatt mit derart polemischen äußerungen Furore zu machen, würde ich mich freuen, wenn ein Diskurs stattfinden würde an dessen Ende ein Konsenz zwischen Babyboomern und Gen Y stehen könnte. Denn am Ende des Tages müssen wir zusammenarbeiten und ich möchte das sogar, ich bin Fan des Generationenmixes und bin gottfroh wenn ein älterer Kollege seine Erfahrung und sein Wissen mit mir teilt.

Thomas Eggert: Natürlich war das extrem polemisch, ich habe aber auch leider die Erfahrung gemacht, dass nur durch solche Äusserungen sich auch endlich mal jemand (wie zum Beispiel Sie) die Arbeit macht, und reagiert. Dennoch wollte ich in kleinster Weise behaupten, dass die Gen Y faul ist. Ich glaube, dass sich das durch alle Generationen durchzieht, da gibt es solche und solche. Ich rege mich vielmehr über diesen, aus meiner Sicht übertriebenen, Umgang mit dem Thema Gen Y auf. Da verdienen Heerscharen an Beratern damit Geld, damit Sie der einen Generation erklären wie die andere tickt. Und man bekommt wirklich das Gefühl, dass eine Firma nur noch bestehen kann, wenn Sie den höchstmöglichen Freizeitwert bietet. Ich bin da ganz bei Ihnen, die Arbeitswelt muss sich verändern, aber es kann auch nicht sein, dass sich alles nach einer scheinbar komplett anderen Generation richten muss und alle bisherigen Werte nichts mehr wert sind.

Zitat 2: „Hätte man mich vor 30 Jahren gefragt, als ich ins Berufsleben eingestiegen bin – ich habe mir auch wenig Arbeit, ein tolles Umfeld, viel Spaß und genügend Geld gewünscht. Aber wie gesagt, damals hat mich niemand gefragt. Und womit wird dann diese neue Generation verglichen?“

Ich glaube, dass die wenigsten aus meiner Generation gefragt werden, wie sie denn arbeiten möchten. Man tritt in ein Unternehmen ein und hat sich nach den dort vorherrschenden Gegebenheiten zu richten. Ich habe das seltene Glück, dass ich aus meiner Position heraus nun aktiv an der Ausrichtung und den Mitarbeiterbindungsinstrumenten unseres Unternehmens mitwirken kann. Ein Gros meiner Altersgenossen hat dieses Glück nicht. Vielmehr werden von Unternehmensseite viel zu oft Stereotypen aufgestellt, wie wir denn so seinen. Ob man sich dabei wirklich die Mühe macht mit uns in einen Austausch zu treten um selbst zu erfahren wie wir denn so sind, ich glaube in vielen Fällen nicht. Der Unterschied liegt schlichtweg da, dass wir uns gewisse Gegebenheiten im Berufsleben eben nicht so ohne weiteres gefallen lassen möchten. Ein guter Teil unserer Generation war schon zu Schulzeiten absolut vertraut mit dem Gedanken im Leben für verschiedene Arbeitgeber arbeiten zu müssen. Wir haben also schon in sehr jungen Jahren den Gedanken an den „einen Job“ bis zur Rente abgelegt. Was daraus resultiert ist, dass wir einen Arbeitgeber verlassen wenn es uns dort nicht gefällt. Das Wissen um die Demographie und eine Verknappung der Arbeitskraft tut ihr übriges, wir sorgen uns nicht sonderlich um Arbeitslosigkeit, wir finden einen Weg. Die vielgewünschte Flexibilität könnte für weniger gute Arbeitgeber ein wirkliches Problem werden, aber das wollte Ihre Generation ja so von uns. Das ist unsere Art von Protest und unser Weg Druck auszuüben, in gewisser Weise ist das Darvinismus in Reinkultur. Wer bereit ist einen überdurchschnittlichen Arbeitsplatz zu bieten wird auch in Zukunft gut gebildete, engagierte Mitarbeiter haben.  Wir sind nicht faul, das sagt man uns nur nach. Wir haben schlicht eine andere Art zu arbeiten und möchten dass unser Leben mehr zu bieten hat als Arbeit. Ich glaube, dass ich mich während meiner Freizeit in diesem Blog mit durchaus fachrelevanten Themen auseinandersetze könnte ein dezenter Hinweis in diese Richtung sein.

Thomas Eggert: Nochmal: Ich habe nie behauptet und glaube auch nicht, dass Ihre Generation faul ist (da haben Sie einen wunden Punkt bei mir gefunden 😉 ). Wenn Sie meinen Beitrag so empfinden, dann ist da scheinbar etwas falsch rüber gekommen. Ich bin nun seit 30 Jahren sowohl als Personalleiter und auch als Geschäftsführer unterschiedlicher Unternehmen der Meinung, dass es nicht „den“ Führungsstil oder „den“ Mitarbeiter gibt. Ich bin überzeugt, dass es genügend Babyboomer gibt, die in das Gen Y „Schema“ passen und anders herum. Denn was kommt nach der Gen Y (ausser Z)? Ich bin bis jetzt am besten damit gefahren, individuell und mit einem pragmatischen Ansatz und gesunden Menschenverstand mit den Menschen zu arbeiten. Und ich glaube, das ist mir bis jetzt ganz gut gelungen. Seien Sie froh, dass Sie in Ihrem Job so gut unterwegs sind und die Möglichkeiten haben, Ihre Ideen umzusetzen. Ich persönlich habe auch diese Möglichkeiten und kann mir überlegen, ob ich am Wochenende noch einen Blog schreibe oder nicht – und ich geniesse meine Freiheit. Aber das hat doch nichts mit der Generation zu tun, sondern was man aus seiner Situation macht. Und was machen die vielen tausend Mitarbeiter in Unternehmen wie Siemens oder Daimler oder …

Denn wenn alle nur noch chillen – wer macht dann die Arbeit – oder gibt es die in der neuen Welt 4.0 auch nicht mehr?

Wenn ich mir ansehe, wie die Entwicklung der letzten 100 Jahre immer mehr Automatisierung hervorbrachte habe ich tatsächlich meine Zweifel, dass es in der „Welt 4.0“ noch das ausmaß an Arbeit geben wird wie wir es heute kennen. Fangen wir doch mal bei Henry Ford und seiner Produktionsstraße an, mehr Autos, weniger Arbeitskräfte, mehr effizienz. Mittlerweile baut Siemens komplett autonome Produktionsstraßen, weltweit wird mit fast erschreckender Geschwindigkeit an der Robotik geforscht. Weiterhin wird erforscht wie Lebensmittel im Labor gezüchtet werden können, z.B. Fleisch. Auch hier könnte also der Zuchtprozess völlig autonom von statten gehen (zugegebenermaßen weiß ich nicht ob das wirklich so erstrebenswert ist, ich finde es schon etwas eklig). Nährlösung drauf, Roboter ernten und ein autonom fahrender Laster liefert das ganze an den Distributor.  Von der Miniproduktionsanlage namens 3D-Drucker, der warscheinlich in 10 Jahren in jedem Haus steht möchte ich garnicht sprechen.

Thomas Eggert: Naja, hier glaube ich, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen wird. Das von Ihnen dargestellt Szenario werden wie beide vermutlich nicht mehr erleben – vielleicht hoffe ich das sogar. Ich meinte aber schon auch, dass es nicht nur um die Arbeit an sich geht, sondern auch um gewisse Werte. Sie schreiben am Anfang, dass Sie in einer Generation aufgewachsen sind, die nicht in dem Unternehmen in Rente geht, bei dem sie einmal angefangen haben. Das kann ich sehr gut verstehen (ich habe auch schon einige Wechsel hinter mir), ich glaube aber auch hier, dass das richtige Mass gefunden werden muss. Denn wenn Sie nicht eine gewisse Kontinuität in Unternehmen bekommen, wo bleibt dann die Kultur im Unternehmen und die beständige Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen etc.? Ich war bisher immer in Dienstleistungsunternehmen unterwegs und da spielt nun einmal eine persönliche Kundenbeziehung noch eine starke Rolle. Und auch wenn ich mittlerweile die meisten Sachen online bestelle, freue ich mich, wenn ich in ein Geschäft komme, in dem man mich kennt, weiss was ich will und wie man auf meine Wünsche eingeht. Das erreichen Sie nunmal nur durch eine gewissen Beständigkeit.

Also – hört endlich auf, dieses Generationenthema so pauschal zu diskutieren. Es geht um das Individuum und nicht um Massenbewegungen. Und gebt den Babyboomern die Möglichkeit, auch etwas Freizeit zu bekommen und der Generation Y die Möglichkeit, mit Leidenschaft und Überzeugungskraft einen Job zu erledigen, der Sie fordert und fördert.

Ich stimme Ihnen zu, aber auch die Freiheit muss man sich nehmen. Sie haben die Möglichkeit zu sagen „Bis hierhin und nicht weiter“. Sie glauben garnicht wie viele unzählige Gespräche ich mit meiner Mutter geführt habe, bis sie selbst gemerkt hat, dass ihr Einsatz von Arbeitgeberseite nicht gedankt wird. Mittlerweile ist sie endlich davon abgekommen  sich für Ihren Arbeitgeber krumm zu legen, obwohl sie sicherlich nach wie vor verantwortungsbewusst einen guten Job macht. Alles in allem habe ich das Gefühl, sie ist heute wesentlich zufriedener. Wir können viel von Ihrer Generation lernen, seien sie offen auch von uns zu lernen. Ich denke wir sind wesentlich aufgeschlossener für einen Austausch als viele Babyboomer von uns glauben.

Thomas Eggert: Dem kann und will ich nichts hinzufügen! Ich persönlich glaube daran, dass Sie viel aufgeschlossener sind – ansonsten sind wir wieder mal bei den Pauschalierenden. Lassen Sie uns im Dialog bleiben!

 

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Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

3 Gedanken zu „Babyboomer schuften, Generation Y chillt – eine Diskussion!

  1. Gute Diskussion, v.a. die Conclusio dass man mit den Pauschalisierungen vorsichtig sein sollte. Meine Meinung:
    – es gibt durchaus pauschale Merkmale der GenY (Aufgewachsen mit Internet, Globalisierung…) aber speziell bei den „neuen, geänderten“ Werten gibt es individuelle Unterschiede
    – GenY fordert ein – was alle Generationen wollen: gutes, faires Management – sei es bzgl. Arbeitszeiten, Vereinbarkeit Familie & Beruf oder z.B. Mitarbeiterentwicklung. Und viele widmen sich der Diskussion aus Befürchtungen rund um den Fachkräftemangel.

    • wobei sich schon die Frage ergibt, ob das spezielle Merkmale sind (Internet- Globalisierung, …)? Für mich sind das einfach andere Möglichkeiten, die diese Generation hat. Und was diese Generation (zu recht) einfordert, müsste eigentlich selbstverständlich sein und darf sich nicht nur auf eine Generation beziehen.

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