7 Fragen an Julian Schulz von Personio

7 Fragen an …
… damit stelle ich StartUps aus der HR-Branche vor. Bisher waren folgende StartUps bereit, hier mitzumachen:

HRinstruments metru
ZΛLVUS HRForecast
Tandemploy QPM Quality Personnel Management
Homelike mobileJob.com
Evalea Crewmeister
PulseShift


Die ersten 10 Interviews habe ich bereits in einem kleinen kostenfreien eBook zusammengestellt. Wer diese kompakt nachlesen will, findet hier den download.

personio-logo-squareHeute darf ich Julian Schulz von Personio vorstellen. Auch er hat sich meinen 7 Fragen gestellt:

Wer ist Personio und was machst Du da?

Personio ist eine ganzheitliche HR- und Recruiting-Lösung für kleine und mittlere Unternehmen. Wir vereinen sämtliche HRM- und Recruiting-Prozesse in einer intuitiv bedienbaren Cloud-Software und achten dabei anders als viele US-amerikanische Anbieter auf die strengen deutschen Standards in Sachen Datenschutz. Personio macht wiederkehrende HR-Prozesse schneller und einfacher und verwaltet sämtliche Informationen übersichtlich an einem Ort. Dadurch bleibt dem Personalbereich letztlich mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten. Als Mitarbeiter im Marketing sorge ich dafür Wachstum von Personio und knüpfe neue Kontakte mit spannenden Partnern aus der HR-Welt.

Wie ist denn Eure Unternehmensidee entstanden und was wollt Ihr mit Eurer Firma erreichen?

Wer im deutschen Markt nach Personalsoftware sucht, findet einige etablierte Anbieter von kostspieliger Individualsoftware. Zudem existieren zahlreiche „Insellösungen“, die nur einen bestimmten HR-Prozess abbilden (z.B. Urlaubsverwaltung). Die Verwendung einzelner Tools wird in der Praxis aber schnell unübersichtlich und führt zu inkonsistenten Daten und ineffizienten Abläufen. US-amerikanische Cloud-Anbieter können in Sachen Datenschutz häufig nicht die strengen Anforderungen in Deutschland erfüllen.

Die Idee hinter Personio war, sämtliche HRM- und Recruiting-Prozesse in einem Tool zu bündeln und dabei den deutschen Standards in punkto Datenschutz gerecht zu werden. Beim Betrieb der Server setzt Personio daher ausschließlich auf zertifizierte Anbieter mit Rechenzentren in Deutschland.

Ziel ist es, Personio zur zentralen HR-Plattform für kleinere und mittlere Unternehmen in Europa auszubauen, an die andere HRM- oder Recruiting-Tools „andocken“ können. Aus Kundensicht liegen die Kernprozesse und Mitarbeiterinformationen einheitlich und sicher bei Personio und können je nach Anforderung mit anderen Services ausgetauscht und verknüpft werden. Diesen Ansatz verfolgen wir heute bereits mit dem Recruiting-Service „GoHiring“. Jobanzeigen, die einmal in Personio erstellt wurden, können damit automatisch auf über 100 deutschen Karriereseiten veröffentlicht werden.

Personaler gelten als nicht sehr innovativ und eher technikfeindlich, vor allem wenn es um die eigene Rolle geht. Warum gerade diese Branche und wie habt Ihr dieses Vorurteil bisher erlebt bzw. wie wollt Ihr dem entgegenwirken?

Wir haben hier andere Erfahrungen mit unseren Kunden gemacht: die meisten Interessenten wenden sich aktiv mit einem ganz konkreten Anliegen an uns. Bei Startups kommt mit wachsender Mitarbeiterzahl oft der Überblick über alle Informationen abhanden, Bewerbungen werden nicht rasch genug beantwortet oder gar vergessen. Bei größeren Unternehmen will man häufig ein umständliches Altsystem durch eine kostengünstige und intuitive Cloud-Lösung ersetzen. Was viele an uns schätzen: wir halten wenig von aufdringlichen Vertriebsmaßnahmen, sondern versuchen erstmal das Problem zu verstehen. Anschließend zeigen wir konkrete Anwendungsfälle auf, bei denen Personio wirklich Nutzen stiften kann.

Ein weiterer Faktor war, dass es noch keine wirklich überzeugende deutsche Cloud-Lösung in unserem  Marktsegment gab. Bei Anbietern aus den USA passen häufig die deutschen Prozesse nicht und man kann sich nie ganz sicher sein, wo die sensiblen  Personaldaten gespeichert werden.

Was waren die größten Schwierigkeiten am Anfang und wie seid Ihr damit umgegangen?

Als wir im Frühjahr mit Hochdruck auf der Suche nach Investoren waren. Fundraising ist in der Regel ein Vollzeitjob für mindestens einen Gründer. Gleichzeitig muss das junge Unternehmen ganz ohne Marketing-Budget jeden Monat weiter wachsen, damit die Geldgeber unterwegs nicht das Interesse verlieren. Da kommt man teilweise ins Schwitzen. Was uns zuversichtlich gestimmt hat war das durchweg positive Feedback unserer ersten Kunden, die uns signalisiert haben, dass wir wirklich ein Problem lösen.

Welches war bisher Euer größter Erfolg und wie habt Ihr diesen gefeiert?

Als größten Erfolg betrachte ich die Tatsache, dass Personio noch immer sehr stark durch Empfehlungen bestehender Kunden wächst. Der Stein ist richtig ins Rollen gekommen und wir bekommen täglich neue Anfragen. Zeitweise hatten wir einen Aufnahmestopp für Neukunden, damit wir unser hohes Servicelevel halten konnten. Das zeigt für mich, dass wir wirklich Mehrwert schaffen und auf dem richtigen Weg sind. Davon abgesehen haben wir den Abschluss unserer Finanzierungsrunde und den Umzug in ein neues Büro am Gärtnerplatz auf unserer Office-Warming-Party natürlich gebührend gefeiert.

Was würdest Du in der Personalarbeit sofort ändern und warum?

In den vielen Gesprächen mit Unternehmen fällt auf, dass Personalarbeit noch immer sehr stiefmütterlich behandelt oder als reine administrative Tätigkeit betrachtet wird. Extremfall: ein Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern hatte gar keine Personalabteilung. Stattdessen hat man den Bereich “im Office Management aufgehängt”. Wir selbst erleben gerade, wie wichtig es ist, trotz und gerade bei starkem Wachstum und Stress die Bedürfnisse der Mitarbeiter nicht aus den Augen zu verlieren. Was sich ändern sollte ist also vor Allem der Stellenwert von echter Personalarbeit im Unternehmen. Ein Tool wie Personio kann dazu einen kleinen Beitrag leisten, indem Prozesse schneller werden und mehr Zeit fürs Wesentliche bleibt.

Lass uns zum Abschluss mal in die Zukunft schauen. In 2 Jahren seid Ihr …

Ein europaweit tätiges Unternehmen, das die Personalarbeit von über 1000 HR-Abteilungen erleichtert und hoffentlich noch immer Start-Up Charakter hat 🙂

Julian, danke für das Interview!

 

julian-personioJulian Schulz ist für das Marketing zuständig und war in seinen vorherigen Stationen in den USA, Süd Korea und Uganda unterwegs. Als Country Manager für eine Job-Platform hat er tiefere Einblicke in die HR-Industrie bekommen und möchte den deutschen Unternehmen mit Personio bei der Digitalisierung helfen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in HR-StartUp und verschlagwortet mit , , von Thomas Eggert. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

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