7 Fragen an Dr. Simon Werther von HRinstruments

In meinem Blog schreibe ich über Themen, die in der Personalwirtschaft gerade aktuell sind und die gesamte Personalarbeit betreffen. Gerade in der letzten Zeit sind eine Vielzahl von HR-StartUp’s entstanden, das hat auch im September 2015 die Messe „Zukunft Personal“ mit einem eigenen StartUp-Village gewürdigt. Hier entsteht aus meiner Sicht eine spannende neue Generation an Dienstleistern mit frischen Ideen für die Personalarbeit.

HR-INSTRUMENTS-logo-01 Kopie 250 pixelIch möchte gerne meinen Lesern in einer Beitragsserie in den kommenden Wochen und Monaten verschiedene HR StartUps aus allen Bereichen der Personalwirtschaft im Rahmen eines Interviews vorstellen und den Start-ups die Gelegenheit geben, sich meinen Lesern zu präsentieren. Heute mein erstes Interview mit Dr. Simon Werther von HRinstruments:

Wer ist HRinstruments und was machst Du da?

Mit HRinstruments gestalten wir das Feedback der Zukunft. Wir entwickeln cloudbasierte Feedbackinstrumente für mittelständische Unternehmen und Großkonzerne. Dabei bieten wir neben etablierten Instrumente wie 360°-Feedback, Teamdiagnosen und Mitarbeiterbefragungen auch innovative Ansätze wie Instant Feedback und kontinuierliche Pulsbefragungen.

HRinstruments haben Philipp Lehmayr und ich gegründet. Philipp ist als CTO insbesondere für die technische Produktentwicklung und für den technischen Support verantwortlich. Ich bin als CEO für die inhaltliche Produktentwicklung und für Vertrieb und Marketing zuständig. Alle anderen Aufgabengebiete teilen wir je nach Anforderung zwischen uns auf.

Wie ist denn Eure Unternehmensidee entstanden und was wollt Ihr mit Eurer Firma erreichen?

Die Idee für unsere Firma ist aus zwei Richtungen entstanden:

Ich arbeite seit vielen Jahren als Unternehmensberater. In diesem Kontext habe ich immer wieder mit Feedbackinstrumenten gearbeitet, doch ich war regelmäßig frustriert über die aufwändigen Oberflächen und die wenig automatisierten Prozesse. Oftmals musste ich stundenlang manuell PDF-Dateien von Mitarbeitern von mir zusammenfügen lassen, weil das laut Auskunft der Firmen technisch nicht möglich war… Für mich hat sich das mehr nach Steinzeit als nach Digitalisierung angefühlt.

Der zweite Impuls zu unserer Geschäftsidee hängt mit der Internetagentur zusammen, die ich 12 Jahre lang geleitet habe. Wir haben dort vor mehreren Jahren den Auftrag zur Digitalisierung von bestehenden Pen&Paper-Feedbackprozessen erhalten. Die Software dieses Projekts hat Anfang des Jahres die Grundlage für unsere neue Firma gelegt, so dass wir bereits direkt die Rückmeldung erster Kunden integrieren konnten.

Was wir mit HRinstruments erreichen möchten? Wir möchten Feedback in die alltägliche Arbeit aller Mitarbeiter und Führungskräfte in vielen Firmen integrieren. Dadurch können gelebte Feedbackkulturen entstehen, um die Motivation, Zufriedenheit und Leistung der Mitarbeiter tatsächlich zu erhöhen. Das steht im Gegensatz zu heute oftmals vorherrschenden einmaligen Prozessen, deren Effekte bereits nach wenigen Wochen verpuffen.

Auf diesem Weg zu echtem Feedback unterstützen wir Unternehmen mit wirksamen Instrumenten, damit Feedback nicht als einmaliges jährliches Mitarbeitergespräch oder als einmaliges 360°-Feedback verstanden wird. Technologie kann dabei unglaublich hilfreich eingesetzt werden, auch wenn wir nie den Standpunkt vertreten, dass dadurch Präsenz-Feedback oder echte Gespräche überflüssig werden.

Personaler gelten als nicht sehr innovativ und eher Technikfeindlich, vor allem wenn es um die eigene Rolle geht. Warum gerade diese Branche und wie habt Ihr dieses Vorurteil bisher erlebt bzw. wie wollt Ihr dem entgegen wirken?

Wir sind davon überzeugt, dass gerade in der Personalarbeit in den nächsten Jahren grundlegend umgedacht werden muss. Digitalisierung bedeutet eben viel mehr als bestehende Prozesse digital umzusetzen. Digitalisierung bedeutet die Nutzung von Technologie um ganz neue Prozesse zu etablieren und bisher nicht bekannten Mehrwert durch Synergien und Schnittstellen zu schaffen.

Manche Personaler sind sich dieser Entwicklung bereits jetzt sehr bewusst, so dass die Zusammenarbeit mit unseren Kunden an vielen Stellen sehr inspirierend ist. Immer mehr Personalern wird schließlich bewusst, dass sie mit den bisherigen Prozessen (bald) keine High Potentials mehr begeistern oder überzeugen können. An manchen Stellen sind auch gar nicht die Personaler die Ursache für die fehlende Akzeptanz neuer Technologien und echter Innovationen, sondern andere Stakeholder im Unternehmen wie beispielsweise Betriebsräte oder Datenschutzbeauftragte. Die Entscheidungswege im Personalwesen sind hier sehr komplex, so dass immer das gesamte System berücksichtigt werden muss.

Unser Produktportfolio ermöglicht den Einsatz unserer Feedbackinstrumente auf sehr innovative oder auf eher traditionelle Art und Weise. Dadurch können Personaler auch in konservativeren Firmenkulturen mit unseren Feedbackinstrumenten beginnen und diese Stück für Stück innovativer im Unternehmen einsetzen.

Was waren die größten Schwierigkeiten am Anfang und wie seid Ihr damit umgegangen?

Aller Anfang ist bekanntlich schwer, insofern haben wir an verschiedensten Fronten gekämpft. Besonders herausfordernd und frustrierend waren für uns die Erfahrungen mit der deutschen Bürokratie und Verwaltung. Sowohl bei der GmbH-Gründung als auch bei der Einstellung von ausländischen Mitarbeitern sind wir immer wieder auf Widerstand gestoßen. Teilweise haben wir uns wirklich für Deutschland geschämt, weil so unmöglich und unhöflich mit unseren neuen Mitarbeitern umgegangen wurde.

Allerdings bringt uns jammern natürlich nicht weiter, also haben wir so kreativ wie möglich nach Lösungen gesucht. Bisher hat das bisher zumindest mittelfristig in jedem Fall geklappt, wobei uns auch unser wunderbares, motiviertes und kompetentes Team an Mitarbeitern und Unterstützern hier immer wieder Türen geöffnet hat und neue Energie gegeben hat.

Welches war bisher Euer größter Erfolg und wie habt Ihr diesen gefeiert?

Feiern ist natürlich ein gutes Stichwort für uns als Startup. Für uns ist das Feiern von Erfolgen enorm wichtig, schließlich müssen wir uns immer wieder zu neuen Höchstleistungen motivieren: München ist hier mit Biergärten, Oktoberfest (oder Wiesn für uns Münchner) und vielen weiteren herrlichen Orten und Aktivitäten unserer Meinung nach die ideale Stadt.

Unsere Erfolge möchten wir gar nicht gewichten, aber natürlich geht es dabei vor allem um Sales (d.h. die Akquise neuer Kunden) und Qualität (d.h. positive Rückmeldungen von Kunden). Ob auf Messen oder auf anderen Kanälen, es ist immer wieder unglaublich motivierend, wenn wir positive Rückmeldung und wertvolles Feedback von potenziellen Kunden bekommen. Dadurch merken wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir weiterhin mit voller Kraft in diese Richtung laufen werden.

Was würdest Du in der Personalarbeit sofort ändern und warum?

Für mich als Psychologe ist die Personalarbeit der am meisten unterschätzte Bereich in Firmen. Es kann nicht sein, dass Karrierewege im HR immer noch als Sackgassen gesehen werden. Meiner Wahrnehmung nach hängt das insbesondere mit drei Punkten zusammen: Auf der einen Seite sehen sich manche Personaler immer noch als administrative ausführende Dienstleister innerhalb der Firma und nicht als proaktive Mitgestalter. Auf der anderen Seite wird die Tätigkeit von Personalern immer komplexer, da heutzutage neben betriebswirtschaftlicher und psychologischer Expertise genauso umfassende IT-Kompetenz und analytisches und strategisches Denken über den Tellerrand hinaus notwendig werden.

Gerne würde ich die Ausbildung und Weiterbildung von Personalern modernisieren, da heutzutage zunehmend ganz neue Kompetenzen gefordert sind, die ich noch in vielen Lehrplänen und Curricula vermisse. Agile Organisationen mit flachen Hierarchien erfordern auch einen Paradigmenwechsel in der Personalarbeit – weniger Administration und mehr Flexibilität sind hier angesagt. An vielen Universitäten und Hochschulen scheint mir dieser Paradigmenwechsel allerdings noch nicht angekommen zu sein, doch genau bei diesen Absolventen handelt es sich schließlich um die Personaler und Mitarbeiter von morgen.

Lass uns zum Abschluss mal in die Zukunft schauen. In 2 Jahren seid Ihr …

In zwei Jahren sind wir ein etablierter Anbieter für Feedback Management im europäischen Raum, der als Innovationsführer weiterhin regelmäßig neue Standards setzt. Dabei haben wir nichts an unserer kreativen Produktentwicklung, unserer zuverlässigen Professionalität und gleichzeitig unserer spielerischen Firmenkultur verloren.

Unser Erfolg lässt sich dabei einfach überprüfen: Solange unsere Kunden einen echten Unterschied mit unseren Feedbacktools erleben, nur dann sind wir weiterhin auf dem richtigen Weg.

Und das ist Dr. Simon Werther

DJ3A1518Dr. Simon Werther, Diplom-Psychologe, Studium in München, Shanghai und Peking, seit 2015 Gründer und Geschäftsführer der HRinstruments GmbH, seit 2015 Vorsitzender der Fachgruppe HR-Startups im Bundesverband Deutsche Startups, seit 2010 Lehraufträge an renommierten Hochschulen wie der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Hochschule Augsburg und Autor zahlreicher Fachbücher und Fachartikel. Bisheriger Werdegang: Geschäftsführer am Münchner Institut für systemische Weiterbildung (misw), Tätigkeit als Unternehmensberater, Coach und Trainer, Gründer und Inhaber einer Internetagentur mit mehreren Mitarbeitern, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der LMU München

 

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in HR-StartUp und verschlagwortet mit , , von Thomas Eggert. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Thomas Eggert

Schon seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner der Personalmanager. Meine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert und weiterhin die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Ich bin heute Geschäftsführer bei der BEGIS GmbH und SiiWii GmbH und in den verschiedensten Gremien, unter anderem als Beirat der Messe Zukunft Personal tätig.

8 Gedanken zu „7 Fragen an Dr. Simon Werther von HRinstruments

  1. Pingback: 7 Fragen an Florian Burchett-Scherfig von ZΛLVUS | noch ein HR-Blog

  2. Pingback: 7 Fragen an Dustin Figge von Homelike - noch ein HR-Blognoch ein HR-Blog

  3. Pingback: 7 Fragen an Steffen Manes von mobileJob.com - noch ein HR-Blognoch ein HR-Blog

  4. Pingback: 7 Fragen an Timo Riedle von Evalea - noch ein HR-Blognoch ein HR-Blog

  5. Pingback: 7 Fragen an Lukas Schöngut von Crewmeister - noch ein HR-Blognoch ein HR-Blog

  6. Pingback: 7 Fragen an David Hoeffler und Martin Müller von PulseShift - noch ein HR-Blognoch ein HR-Blog

  7. Pingback: 7 Fragen an Julian Schulz von Personio - noch ein HR-Blognoch ein HR-Blog

  8. Pingback: 7 Fragen an Michael Wahler von SiiWii - noch ein HR-Blognoch ein HR-Blog

Kommentar verfassen